Formel 1: Japanische Probleme
Kollision der Kulturen

Die Formel 1 gehört den Individualisten. Toyota und Honda scheitern, weil ihre Arbeitsweise zu sehr von Teamwork geprägt ist.
- Robert Dunker
Die weltgrößten Autohersteller haben in der Königsklasse des Mototorsports wenig Grund zum Feiern. Toyota bringt es in dieser Saison auf magere fünf Zähler und Honda ist sogar punktlos. Die Gründe dafür sind eine verfehlte Personalpolitik und das japanische Teamwork. Zur Abwechslung mal wieder ein neuer Frontflügel gefällig oder doch ein überarbeiteter Heckflügel? Ralf Schumacher kündigte für den Großen Preis von Kanada am Sonntag (10. 6. 2007) ein neues "Aero-Package" für seinen Toyota an; technische Hilfsmittel, die den Rennwagen des deutschen Formel-1-Piloten schnell machen sollen. Honda wartet mit einem rund erneuerten Boliden auf, das dritte Mal in dieser Saison.
Nur fünf Punkte bislang für Toyota
Zwei japanische Rennställe, ein Problem: Toyota und Honda, die nach dem Börsenwert zwei größten Fahrzeughersteller der Welt, kommen in der Formel 1 einfach nicht in Fahrt. Und was, fragen sich die Kenner der Vollgasbranche, soll unter Zeitdruck gelingen, was mit Millionenaufwand vor der Saison versäumt wurde? Während gerade Toyota in der Serienproduktion Absatzrekorde präsentiert und nicht nur größter Autobauer der Welt ist, sondern auch als zuverlässigster Hersteller von Serienmodellen gilt, mussten die Buchhalter eine katastrophale Rechnung über die Formel-1-Expedition aufmachen. Mit einem Aufwand von knapp 400 Millionen Dollar pro Team und jeweils 650 Mitarbeitern hat Honda 2007 noch keinen WM-Punkt erobert, Toyota mickrige fünf. "Der beste Toyota heißt Williams", wird gespottet im Fahrerlager. Das Team des Briten Frank Williams setzt Toyota-Kundenmotoren ein.
Button fehlt das Vertrauen

Heillos verzettelt
Bei Toyota hören sich die Erklärungen ähnlich an. "Wir wissen nicht, wo das Problem an unserem Auto liegt. Wenn wir es wüssten, könnten wir den Fehler benennen oder zumindest eingrenzen", sagt der italienische Stammpilot Jarno Trulli. Teamchef Tsutomu Tomita hat versucht, das Problem einmal grundsätzlich zu analysieren: "Die Formel 1 ist eine europäische Angelegenheit. Sie ist in dieser Kultur verankert und beruht auf Individualismus. Die japanische Kultur und Arbeitsweise fußt jedoch auf Teamarbeit. Diese Gegensätze zu vereinen, ist sehr schwer." Die Philosophie des "Kaizens", wonach jeder, von der Führungskraft bis zum untersten Mitarbeiter, Verbesserungsvorschläge im Unternehmen machen kann, führte dazu, dass sich die Motorsportabteilung heillos verzettelt hat.
Späte Erkenntnis

Service-Links