Formel 1: Jean Todt im Interview - Teil 3
Hybridmotor ist das Beste für die Formel 1

Der FIA-Präsident im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT. In Teil 3 spricht Jean Todt über die Kritik an der Formel 1, die Hybridmotoren und Bernie Ecclestone.
Bild: Picture-Alliance
Herr Todt, Sie sind seit 2009 Präsident des Automobilweltverbands FIA. Kritiker werfen Ihnen vor sich nicht stark genug um die Formel 1 zu kümmern.
Jean Todt (70): Die FIA hat zwei Pfeiler: Motorsport und Mobilität. Eine meiner Prioritäten ist natürlich die Verkehrssicherheit. Und ich hoffe doch, dass sie für jeden wichtig ist. Jeder Mensch hat Kontakt zur Straße: als Fußgänger, Radfahrer, Motorradfahrer, Autofahrer oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Jedes Jahr sterben 1,3 Millionen Menschen im Straßenverkehr, jeden Tag 500 Kinder. 50 Millionen Menschen werden jährlich verletzt. Es ist also meine Pflicht mich darum zu kümmern. Was nicht bedeutet, dass ich mich nicht um andere Dinge kümmere.
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Was denken Sie über Bernie Ecclestone, wenn der die Königsklasse mal wieder schlechtredet à la „Die Formel 1 ist so schlecht wie nie!“?
Ich denke viel darüber nach. Aber mein Stil ist es direkt mit Bernie zu sprechen. Ich mag Bernie. Er ist ein außergewöhnlicher Mann. Ich habe gerade erst meinen 70. Geburtstag gefeiert. Er ist 85. Es leitet die Formel 1 immer noch mit großer Leidenschaft. Aber er hat auch seinen ganz eigenen Stil. Er hat einige Aussagen getroffen, diese ein paar Tage später aber auch wieder relativiert. Vielleicht hat er da ja getan, weil wir miteinander gesprochen haben.
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Genau wie die neue Hybridtechnik der Formel 1. Eigentlich...
Manchmal trifft man gute Entscheidungen, aber kommuniziert sie schlecht. Das ist uns auch beim Hybridmotor passiert. Was also ist die Quintessenz statt zu sagen, dass ein kleineres und umweltfreundlicheres Triebwerk genauso stark ist wie ein V8? Es ist zu leise, zu schwer, zu teuer. Deshalb ist Kommunikation essenziell.
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Inwiefern schadet die Dominanz von Mercedes?
In der Formel 1 gab es immer Dominanz – in jedem Sport sogar. Und früher oder später ist die Dominanz auch wieder vorbei. Sébastien Loeb hat neunmal die Rallye-WM gewonnen, bis Volkswagen kam. Audi hat die Sportwagen-WM dominiert, bis Porsche kam. Mercedes dominiert in der Formel 1, vorher war das Red Bull. Und da haben sie sich nicht beschwert. Natürlich wäre es besser, wenn alle gleiche Chancen hätten. Aber so eine Situation gibt es nur selten.
Steht eine Abschaffung der Hybridmotoren noch zur Debatte?
Nein, alle Hersteller wollen sie behalten. Aber sie müssen billiger werden und lauter. Und es kann nicht sein, dass ein Team Schwierigkeiten hat einen Motor zu bekommen. Das muss sich ändern. Abgesehen davon gehören die Hybridmotoren zu den besten Dingen, die die Formel 1 je gemacht hat.
Kann der Hybridmotor auch weitere Hersteller anziehen?

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Immer wieder gibt es Gerüchte um einen Einstieg von Audi in die Formel 1.
Ein Einstieg von Audi wäre fantastisch für den Sport. Ihre Technologie ist weit fortgeschritten und sie wären bestimmt von Anfang an konkurrenzfähig. Aber sie sind auch Teil einer großen Gruppe, die derzeit andere Probleme lösen muss. Ich bin aber sicher, dass – wenn wir die Königsklasse wieder attraktiver machen – sie die Formel 1 als gute Geschäftsleute nicht ignorieren können.
Kann Nico Rosberg in diesem Jahr Weltmeister werden?
Mercedes wird definitiv ein gutes Auto haben, beide sind gute Fahrer. Lewis Hamilton war bislang stärker, aber wenn einer der zwei plötzlich etwas weniger motiviert sein sollte, kann sich das schnell ändern.
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