Formel 1: Jochen Mass verstorben
"Gefahr gehörte für Rennfahrer dazu"

– Nur sieben Deutsche haben jemals ein Formel-1-Rennen gewonnen. Jochen Mass gehörte zu diesem elitären Club. Nun ist Mass im Alter von 78 verstorben.
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Eigentlich war Jochen Mass in die See verliebt. Der einstige Formel-1-Pilot wollte ursprünglich Kapitän werden. "Schiffe geben mir viel, sie haben Seele", erzählte Mass einmal. "Ich hatte aber eine überzogene Vorstellung von der Seefahrt." Mass, dessen Großvater Kapitän war, arbeitete in jungen Jahren dennoch erst mal als Seemann bei der Handelsmarine.

Erster und einziger Formel-1-Sieg in Montjuïc am 27. April 1975.
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Mit einer Mechaniker-Lehre nahm aber dann seine Motorsport-Karriere ihren Lauf. 105 Formel-1-Rennen folgten für den Mann aus Dorfen bei München, acht Podiumsplätze und sogar ein Sieg. "Das ist so, als ob man ein Tor in seiner Länderspielkarriere geschossen hat", meinte Mass, der 1975 erst der zweite deutsche Grand-Prix-Sieger nach Wolfgang Graf Berghe von Trips war. Am Sonntag, 4. Mai 2025, ist Mass in Cannes gestorben. Er hatte im Februar einen Schlaganfall erlitten, berichtet Antenne Münster. Jochen Mass wurde 78 Jahre alt.
Mass erlebte 1973 zunächst einen kurzen Einstand in der Formel 1. In seinem Surtees schied er nach einer Massenkollision bereits in der ersten Runde aus. Auch sein einziger Sieg in der Königsklasse war überschattet von einem schweren Unfall. Auf dem Stadtkurs von Montjuic in Barcelona kam Rolf Stommelen im April 1975 mit seinem Hill von der Strecke ab und schoss in die Zuschauermenge. Mehrere Menschen starben. Es war eine hochgefährliche Zeit im Motorsport.

Die wilden Siebziger: haarige Zeiten bei Mass anno '78.
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"Es klingt natürlich ein bisschen blöd, aber die Gefahr gehörte für einen Rennfahrer dazu. Man hat es getan, weil man es so wollte", sagte der frühere McLaren-Pilot Mass, der 1989 auch den Langstreckenklassiker von Le Mans gewann. "Ich würde das Gefühl der Gefahr nicht als rein negativ beschreiben." Durch das Bewusstsein für Gefahr ließen sich gewisse Aufgaben erst umsetzen.
Der Tod von Gilles Villeneuve schmerzte Mass bis zuletzt. Der Kanadier starb im Mai 1982 bei einem Horrorunfall im belgischen Zolder. Der vorausfahrende March-Pilot Mass wollte Villeneuve Platz machen, wählte jedoch jene Spur, auf der sein Rivale vorbeiziehen wollte. Villeneuve fuhr auf, überschlug sich mit seinem Ferrari und wurde folgenschwer aus seinem Wagen geschleudert.

Tragisch: Mass war Unfallgegner beim tödlichen Villeneuve-Crash 1982.
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"Ich wusste, ich bin nicht wirklich schuld, weil er ein übertriebenes Risiko eingegangen ist", sagte Mass. "Diese schlimme Erinnerung vergeht aber nicht mehr." Die Kollision mit Villeneuve war einer der Gründe, warum Mass kurz darauf aus der Formel 1 ausstieg.
Mass hinterlässt seine Ehefrau Bettina, mit der er seit 1994 in zweiter Ehe verheiratet war, zwei Töchter, zwei Söhne und mehrere Enkelkinder. Noch vor Kurzem fuhr er Oldtimer- und Klassikerrennen. Die Formel 1 verfolgte der frühere TV-Experte weiter mit "kritischem Interesse".

Jochen Mass 2016.
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Trotz seines Hochgeschwindigkeitslebens wusste Mass die Muße stets zu schätzen. "Ich konnte Ruhe und Stille immer schon genießen, das war ein absolutes Muss", betonte er. "Nur hektisches Treiben geht nicht. Wir leben ja in einer Welt, in der es niemals ganz ruhig ist." Und: "Was ich rings um mich herum habe, darüber kann ich mich sehr, sehr glücklich schätzen", sagte Mass mit Blick auf seine Familie. (fh/dpa)
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