Formel 1: Kolumne aus Abu Dhabi
Auf einem anderen Planeten

Viel wird vor dem Finale in Abu Dhabi von einem Psychokrieg zwischen Rosberg und Hamilton geschrieben. Ralf Bach sieht das in seiner ABMS-Kolumne anders.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
Ich dachte eigentlich, dass ich in Abu Dhabi bin. Die Wüste lebt wie jedes Jahr auf Yas Island, wenn die Formel-1-Karawane dort Station macht. Die Gastgeber geben sich wie jedes Jahr unendliche Mühe, nett zu sein und das beste Bild ihres Legolands für Superreiche abzugeben. Nachts leuchtet wie gehabt das Flutlicht über der Rennstrecke und kämpft gegen das hell glitzernde und gigantische Viceroy-Hotel an, das alle 20 Sekunden die Farbe wechselt. Also, eigentlich müsste ich in Abu Dhabi sein. Eigentlich. Aber vielleicht gibt es einen Planeten in einem Parallel-Sonnensystem, auf dem ich gelandet bin. Wo alles aussieht wie in Abu Dhabi, wo alle so aussehen wie Nico Rosberg, Lewis Hamilton und Co., wo es alles gibt nur eins nicht: Einen Psychokrieg zwischen Hamilton und Rosberg - so wie Kollegen von mir in großen Buchstaben von ihrem Planeten berichtet haben.

Der Presseraum war in Abu Dhabi brechend voll
Der angeblich verweigerte Handschlag, von dem geredet wurde, hatte auch nicht den Hintergrund von Feindschaft und Psychospielchen. Es war ganz einfach so, dass in dem Moment, als FIA-Pressesprecher Matteo Bonciani die beiden zum Shakehand aufforderte, Kamerasalven laut wie ein Maschinengewehr auf die Bühne prasselten und dass Rosberg und Hamilton vermutlich die Bitte des Italieners gar nicht gehört haben. Und wenn, war klar: Die beiden 31-Jährigen hatten auch gar keine große Lust dazu, sich wie dressierte Affen die Hände zu geben. Warum auch? Man kann sich nur die Hände schütteln - als Zeichen des Friedens - wenn es vorher Krieg gab. Der aber existierte bei den beiden schon seit Monaten nicht mehr.

Nico Rosberg reicht ein dritter Platz zum WM-Titel
Der angebliche Psychokrieg, das beinharte Duell, das auf dem anderen Planeten fast wie ein Kampf auf Leben und Tod aufgebauscht wird, den gibt es nicht auf meinem. Das Rennen um den Titel, das bei mir am Sonntag ausgetragen wird, könnte das langweiligste des Jahres werden. Dafür spricht vieles, eigentlich alles. Rosberg hat zwölf Punkte Vorsprung, ihm reicht ein dritter Platz um Champion zu werden. Mit seinem Mercdedes aber wird man immer Dritter, wenn man a) keinen technischen Defekt hat (dazu gehören auch Reifenplatzer) und die erste Kurve ohne großen Schäden übersteht. In Malaysia fuhr er sogar noch aufs Podium, als er durch die Kollision mit Sebastian Vettel nach dem Start Letzter war.

Hamilton hat es nicht mehr selbst in der Hand...
Denn eins nehme ich Nico Rosberg nicht ganz ab: Dass er am Sonntag wirklich bedingungslos auf Sieg fahren wird, wie er es uns allen weismachen will. Nein, das wird er nicht. Denn Rosberg ist weder ein Hasardeur noch ist er blöd. Er weiß genau, was zu tun ist. Als ich ihm am Donnerstag nach Minuten von sich ständig wiederholenden Fragen und sich ständig wiederholenden Antworten, die für mich alles entscheidende Sinnfrage stellte, war seine Reaktion entlarvend: "Nico, ist Dir am Sonntag der Titel oder der Rennsieg wichtiger?" fragte ich provozierend. Die Antwort Rosbergs ging in einem sich ertappt fühlenden Kichern unter...
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