Formel 1: Kolumne aus Budapest
Der unterbezahlte Herr Vettel

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Vorfeld des Ungarn GP in Budapest.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
Eins steht jetzt zweifelsfrei fest: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel (29) ist mit seinen geschätzten 30 Millionen Euro, die er pro Jahr aus Maranello bekommt, hoffnungslos unterbezahlt. Oder wie soll man es sonst nennen, wenn ein Mann vier Jobs ausübt, aber nur für einen Geld bekommt?
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Zuletzt in Silverstone fuhr Vettel nur auf Rang neun
Job Nummer 2: Teamchef. Er motiviert seine Mitarbeiter, stellt sich schützend vor sie, wie es sonst nur die Teambosse tun. "Wir haben den größten Schritt von allen getan", verkündet er stolz in Ungarn. Dass Ferrari davor kurz vor dem Abgrund stand, sagt er allerdings nicht. Er verpflichtet zudem noch den zweiten Fahrer. Die Vertragsverlängerung mit Kimi Räikkönen war sein Wunsch, weil er den Finnen schätzt und auch keine innenpolitischen Schmutzaktionen von ihm befürchten muss. Insider wie sein Ex-Boss Helmut Marko sind deshalb überzeugt: "Ist doch klar, dass Sebastian dahintersteckt." Vettel sei sowas wie der geheime Teamchef. Der Genannte drückt sich bei der Räikkönen-Frage etwas diplomatischer aus: "Man wird halt um Rat gefragt, aber es ist doch nicht meine Entscheidung."

2015 feierten Allison und Vettel in Ungarn noch
Job Nummer 4: Pressesprecher. In Ungarn beschimpfte er ganz im Stil eines Pressesprechers die Medienvertreter: "Ihr baut doch den Druck auf, den wir bei Ferrari gar nicht haben." Und über Spekulationen, dass Technikchef James Allison die Scuderia verlassen will, macht sich der Heppenheimer wie ein ironisierender Regierungssprecher lustig: "Darüber lachen wir hinter den Kulissen. Wir wissen es besser!"
Fakt ist: Armer reicher Vettel. Vier Jobs übt er aus, aber nur für einen wird er bezahlt. Das muss wahre Liebe sein...
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