Formel 1: Kolumne aus dem Fahrerlager
Probleme sind hausgemacht

In seiner neuen Kolumne nimmt unser F1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Anschluss an den Großbritannien GP in Silverstone.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
139.000 Zuschauer – das gaben die Veranstalter des britischen Grand Prix in Silverstone voller Stolz an – hätten am Sonntag auf dem Traditionskurs in der Nähe von Northampton dem Rennen beigewohnt. Bloß: Die Zahl wurde wohlwollend extrem nach oben aufgerundet, in Wahrheit waren einige Tribünen im Gegensatz zu den Vorjahren nicht voll besetzt.
Das heißt: Wenn es selbst im Formel-1-fanatischsten Land nicht mehr möglich ist, eine volles Haus zu bekommen, hat die rasende Königsklasse in der Tat ein Problem.

Trotz Hamilton-Hype: Die Tribünen war nicht ganz voll
Wer will beispielsweise beim Start die angeblich besten Autofahrer der Welt wie Fahrschüler aufgereiht hinter einem Safety-Car sehen? Nur weil es kurz zuvor geregnet hat? Keiner. Noch nicht einmal die Edelfans, die einst Millionen mit dem Vollgaszirkus verdient haben. Ex-Ferrari und McLaren-Pilot Gerhard Berger hatte den Start gar nicht mehr angeschaut, als er vom Einsatz des Safety-Cars erfahren hatte.
Berger: "Das kann nicht sein! Ein normaler Autofahrer stellt sein Auto doch auch nicht ab, wenn es auf der Autobahn plötzlich regnet. Er passt sich dann eben den Begebenheiten an."

Safety-Car-Start: Einen Racer wie Berger ärgert das
Villeneuve weiter: "Die jungen Leute von heute müssen doch das Gefühl haben, dass alles, was sie so täglich treiben, spektakulärer und gefährlicher ist als das, was die Formel-1-Fahrer gerade aufführen. Das Besondere, ein Grand-Prix-Pilot zu sein, kommt einfach nicht mehr rüber. Deshalb schauen sie sich lieber schwachsinnige Raser auf Youtube an."

Villeneuve vermisst wieder echte Typen in der Formel 1
Die Formel 1 ist überreguliert. Villeneuve bringt es auf den Punkt: "Die Formel-1-Regelhüter würden es sogar fertig bringen nachträglich das Ergebnis eines Fußballspiels zu annullieren, weil eine der vier Eckfahnen fünf Millimeter höher war als die anderen!"
Weitsichtige Manager wie Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko sehen das Problem und fordern deshalb: "Es ist fünf vor zwölf. Das System Formel 1 braucht dringend eine Generalrenovierung."
Service-Links