Formel 1: Kolumne aus Montreal
Champions werden zu Campern

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Vorfeld des Kanada GP in Montreal.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
Formel-1-Kids wie Max Verstappen und Pascal Wehrlein müssen sich im Fahrerlager in Montreal vorkommen, als wären sie aus Versehen in eine Zeitmaschine geraten, die sie um Jahrzehnte in die Vergangenheit befördert hat. Keine luxuriösen Motorhomes mit spiegelverglasten Fenstern wie bei den Europa-Rennen. Stattdessen bauten die Teams Container auf, einschließlich Toiletten, die man sonst nur von Dauerbaustellen kennt.

Bisher hat der Kanada GP etwas von Campingurlaub
Diese werden für fünf Tage zum weltweiten Repräsentieren genutzt und dann wieder in den Tiefschlaf gelegt. Der "Campingplatz" in Montreal ist enger aber gemütlicher und wird zudem das ganze Jahr von der Bevölkerung als Ausflugsziel genutzt. Er strahlt selbst bei Nässe und bitterer Kälte mehr Charme aus als die restlichen Paddocks zusammen.

Daniel Ricciardo will in Montreal zurückschlagen
Nur zwei von vielen Beispielen: Red Bull-Pilot Daniel Ricciardo, der in seinem Gesicht immer noch den ganzen Frust und Enttäuschung vom Rennen in Monaco vor sich hertrug, blieb spontan stehen und fragte mich, wie ich das Boxenstopp-Dilemma von Monte-Carlo, das ihm den sicheren Sieg kostete, verarbeiten würde. "Turn your anger into energy", "Verwandle Deine Wut in Energie", gab ich ihm weise wie ein indianischer Medizinmann mit auf den Weg. "Das werde ich tun," antwortete er erfreut, "das werde ich bestimmt tun!"

Umgewöhnung nötig: Zelte statt Luxus-Motorhomes
Er bot mir deshalb eine Wette an. Mein nicht ernst gemeinter Vorschlag, zusammen in einen der zahlreichen Table-Dance-Schuppen Montreals zu gehen, und der Verlierer müsse dann die Zeche zahlen, lehnte er gespielt empört ab. Die Wette aber steht. Nur am Einsatz arbeiten wir noch...
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