Formel 1: Kolumne über Sao Paulo
Bodyguards für Mercedes-Fahrer

Unser Formel-1-Reporter Ralf Bach berichtet in seiner Kolumne von den Panzerlimousinen der F1-Stars, Bernie Ecclestones Kaffeeplantage und einem Raubüberfall auf seinen Mietwagen.
Bild: Picture-alliance
- Ralf Bach
So lebensfroh die Brasilianer sind, so faszinierend das Land mit all seinen Gegensätzen auch ist: Die Formel-1-Gemeinde traut dem Frieden nicht. Zu viele Überfälle gab es schon auf dem Weg von der Rennstrecke zurück in die Hotels der Stadt. Toyota hat es mal erwischt, Jenson Button, Sauber und auch Journalisten machten diese Erfahrung – mich eingeschlossen. Doch dazu später.
Die Teams wohnen entweder im Transamerika, einem Fünf-Sterne Hotel rund zehn Kilometer von der Rennstrecke Sao Paulo entfernt. Oder in den Hyatt-, Melia- oder Hilton-Luxusherbergen im Stadteil Morumbi, noch einmal 15 Kilometer weiter. Wer ganz oben auf der Wichtigskeitsliste steht, fliegt mit dem Helikopter – wie Bernie Ecclestone.

Bernie Ecclestone ist in Sao Paulo mit dem Helikopter unterwegs
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Allein: Selbst die Fahrer sind noch nicht auf dem Helikopter-Level von Mr. E angekommen. Sie mussten fahren oder sich fahren lassen wie der der Rest der Formel-1-Karawane. Alle Piloten einschließlich führender Teammitglieder haben so genannte Panzerlimousinen, mit schusssicheren Scheiben plus Chauffeur. Nur Mercedes ging noch einen Schritt weiter. Lewis Hamilton, Vallteri Bottas, Toto Wolff , Niki Lauda sowie die drei in Brasilien involvierten Junioren, Esteban Ocon, Pascal Wehrlein und George Russell bekamen zusätzlich einen bewaffneten Bodyguard, der für den Fall der Fälle mit im Auto sitzt.

Ein bewaffneter Bodyguard schützt die Mercedes-Piloten
Ihre Absicht war völlig klar: Sie wollten unsere Wertsachen. Ich gab einfach Gas und schob die Autos vor mir etwas zur Seite, um mich so schnell wie möglich der Räuber zu entledigen. Das klappte auch. Dass Mietwagen und das Auto vor mir leichte Schrammen hat, nahm ich in Kauf, schließlich muss man in solchen Momenten sekundenschnell Prioritäten setzen. Böse konnte ich den Brasilianern, die mir an die Wertsachen wollten, übrigens nicht sein. Es sind arme Menschen, verlassen von Land und Gott. Sie wollen nur ein bisschen Leben können, nicht mehr hungern. Wer die Formel 1 mit all ihrem Luxus vor ihren armen Hütten wie ein goldenes Zirkuszelt aufbaut, der muss mit so einer Selbstjustiz rechnen und sollte sich nicht mit erhobenem Zeigefinger wundern.
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