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Formel 1: Kolumne zu Ferrari

Der Fisch stinkt immer am Kopf

Ferraris jüngste Blamage in Suzuka zeigt einmal mehr, was bei der Scuderia gerade falsch läuft - findet unser F1-Reporter in seiner Fahrerlagerkolumne.
Es ist, als hätten sich alle Renngötter im Moment gegen Ferrari verschworen. Als hätte Ferrari einen Deal unterschrieben, auf die mögliche WM zu verzichten. Wie ist es sonst zu erklären, dass es nach dem ersten Rennen in der Sommerpause in Spa - dort gewann Sebastian Vettel noch - nur noch Tiefschläge hagelte. Mit dem Höhepunkt des Qualifyings in Suzuka, als Ferrari als einziges Team den dritten Qualifying-Abschnitt mit Intermediates begann - und völlig danebenlag, weil die Piste schon wieder trocken war.

Chancenlos: Vettel fuhr auf den falschen Reifen los

Suzuka war nur ein Teil der Fehlerkette, die nach der Sommerpause dramatische Züge annahm. In Monza musste Vettel seinem Teamkollegen im Qualifying Windschatten geben. Nur das spülte den Finnen und nicht den Deutschen auf die Pole-Position. Am Start behinderte Räikkönen Vettel dann, dadurch erst konnte Mercedes-Rivale Lewis Hamilton einen Angriff auf den Deutschen wagen. Beide kollidierten, aber nur Vettel drehte sich und musste sich durchs Feld zurück kämpfen.
Hamilton gewann, weil Räikkönen kein Gegner für ihn war. Es war ein Doppelfehler der Ferrari-Führungsriege an einem Wochenende. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene, der eben jene Vorgehensweise zu verantworten hat, antwortete damals patzig auf die Frage, warum bei Mercedes Valtteri Bottas alles für Teamleader Lewis Hamilton tun muss: "Wir haben Rennfahrer eingestellt, keine Butler."
Wenig später entschuldigte sich der ehemalige Marlboro-Manager dafür, stellte aber klar: "Wenn bei uns was schiefläuft, muss ich den Kopf dafür hinhalten." Nimmt man diese Aussage ernst, hat man längst einen Schuldigen in Arrivabene gefunden.
So wie in Singapur, als Ferrari im zweiten Qualiabschnitt die falschen Reifen aufzog und so den Rythmus für Q3 verlor. Oder in Sotschi, als der rote Renner die Reifen nie auf die richtige Betriebstemperatur bekam. Oder jetzt in Suzuka mit dem Reifendesaster.

Auch in Suzuka lag Ferrari daneben. Mal wieder...

"Wir hatten Leute an der Strecke, die uns die Streckenverhältnisse mitteilten. Deshalb wechselten wir in letzter Sekunde noch auf Supersoft", erklärte mir Red-Bull-Chefberater Helmut Marko. Hatte Ferrari keine Regenspione? Und wenn doch, womit waren die gerade beschäftigt?
Dafür, dass Ferrari Räikkönen zuerst auf die Strecke ließ, hatte der Doktor aus Graz auch keine Erklärung. Mercedes jedenfalls schickte zuerst Hamilton los, damit der bei Problemen am Ende noch genügend Zeit gehabt hätte zu reagieren.
Die hatte Vettel nicht. Während der Deutsche die Schuld auf sich nimmt, schiebt Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene sie demonstrativ von sich, sagt: „In technische Entscheidungen mische ich mich nicht ein. Das heute ist aber nicht akzeptabel.“ Der Italiener hinterfragt sogar die Aufstellung der Scuderia, sagt: „Wir haben ein junges Team. Es stimmt, dass es manchmal an Erfahrung oder dem richtigen Riecher fehlt.“
Ein ungewöhnliches Verhalten für einen Ferrari-Rennleiter und in der Tat das erste Mal, dass ein Teamchef der Scuderia sich so offen gegen seine Leute stellt. Fakt ist: Ex-Präsident Sergio Marchionne ist tot und schon sind die eigenen Techniker und Strategen nicht mehr gut genug? Diejenigen, die bis zum Sommer der Wm 2018 wie mögliche Weltmeister aussahen?
Für mich ist all das ein sicheres Indiz für einen Machtkampf im Ferrari-Team. Einen, der die Scuderia und Sebastian Vettel so sehr schwächt, dass Lewis Hamilton jetzt schon acht Finger am WM-Pokal hat.
Fest steht: Ein souveräner Teamchef muss keine Machtkämpfe führen. Und: Der Fisch stinkt immer am Kopf.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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