Formel 1: Kolumne zum Sepang-Abschied
Selamat Tinggal, Malaysia!

Die Formel 1 macht am Wochenende zum vorerst letzten Mal in Sepang Station. ABMS-Reporter Ralf Bach erinnert sich an 18 Jahre Malaysia-Geschichte.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
Selamat Tinggal, Malaysia! Auf Wiedersehen Malaysia! Es ist das letzte Mal, dass die Formel 1 im Großraum Kuala Lumpur Station macht. Fahrern wie Fernando Alonso tut das richtig leid. "Es ist meine absolute Lieblingsstrecke", sagt der Spanier über den Kurs, den der deutsche Streckenbauer Hermann Tilke für das erste Rennen 1999 auf einem ehemaligen Sumpfgebiet in der Nähe des Flughafens angelegt hat. "Es war ein Schlangengebiet, sie brüteten hier", erinnert sich der Aachener, "deshalb muss man immer damit rechnen, dass sie zurückkommen." Die Fotografen an der Strecke sind auch deshalb vorsichtig, wenn sie in der Nähe von Reifenstapeln stehen. Es könnte ja etwas Giftiges darin schlummern. Eine Königskobra soll ihren Weg sogar einmal auf eine Damentoilette gefunden haben. Diese Mär hält sich standhaft.

Am Ende durfte Ferrari 1999 doch den Sieg bejubeln
Seine Kumpels torkelten sternhagelvoll in Feierlaune durch die Zimmer. Häkkinens damals hochschwangere Ehefrau Erja schlief seelenruhig unbeeindruckt von dem Irrenhaus auf dem Sofa ein. Nur Häkkinen selbst blieb erstaunlich nüchtern. "Ich bin noch nicht Weltmeister", prophezeite er. "Die geben Ferrari den Sieg wieder zurück. Deshalb will ich nicht feiern." Die Ahnungen sollten den Finnen nicht täuschen. FIA-Präsident Max Mosley erklärte die Ferrari eine Woche später doch für legal. FIA-Technikmann Jo Bauer hätte einen Fehler beim Messen gemacht. Keiner glaubte dem Briten, aber die Entscheidung um den Titel wurde so zum letzten Rennen nach Japan verlegt - wo Häkkinen den Titel dann endgültig gewann.

Kimi Räikkönen feierte 2003 seinen ersten F1-Sieg
2010 wird mir aus anderem Grund in Erinnerung bleiben: Wegen einer Geschichte, die mein Freund Marco Mensurati während des Rennwochenendes veröffentlicht hat. Marco ist Reporter bei La Repubblica, einer der größten Tageszeitungen Italiens. Marco berichtet aber nicht nur von Formel-1-Rennen, sondern auch von Schiffskatastrophen und anderen weltbewegenden Themen. Er ist ein Reporter aus Leidenschaft und legt auch dann noch den Finger in eine Wunde, wenn die anderen ängstlich wegschauen. Auf der Herrentoilette im Fahrerlager sah er einen zehnjährigen Jungen, der ohne Handschuhe die Schüsseln reinigen musste. Daraus machte Marco eine große Story. Um dem Jungen nicht zu schaden, gab er ihm einen Phantasienamen: Mong. Mong war damals der größte Fußballstar Malaysias. Die Geschichte brachte den erhofften Erfolg. Der kleine Mong wurde nicht nur erlöst, sondern in Zukunft achteten FIA und Veranstalter höllisch darauf, dass es keine Kinderarbeit mehr an der Rennstrecke gab.

Der Kurs von Sepang ist bei den Fahrern sehr beliebt
Das waren meine persönlichen Highlights von allen Malaysia-Wochenenden. Das Rennen wird mir fehlen. Wegen der freundlichen Menschen dort, der Natur und wegen des Wetters. Selamat Tinggal, Malaysia!
Die Top-10 der besten Malaysia-Momente gibt es hier in der Galerie:
Service-Links