Ausgerechnet Red Bulls bis Sonntag einziger Weltmeister, Sebastian Vettel, bringt es nach dem Finale zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton in Abu Dhabi auf den Punkt: "Verdient hätten den Titel beide, deswegen gratuliere ich auch beiden", sagt der Deutsche. Fernando Alonso schlägt in die gleiche Kerbe: "Wenn man den WM-Pokal in zwei Teile schneiden könnte, dann wäre es jetzt das Jahr dafür. Beide waren herausragend."
Die Königsklasse erlebt 2021 zwischen Verstappen und Hamilton ein episches Duell zweier Athleten auf Augenhöhe, die großen Sport und eine Mega-Show liefern.
Umso bedauerlicher ist es, dass sich die Formel 1 mit den erneuten Kontroversen um die Rennleitung und ihren eigenen Regeln sogar in einer ihrer glorreichsten Stunden noch selbst ein Bein stellt. Im Nachgang des WM-Finals beherrschen Kritik, Proteste und gegenseitige Schuldzuweisungen die Schlagzeilen.
Vettel tröstet Hamilton nach dem verlorenen WM-Finale
Schade! Dabei hätte es am Sonntag bei allem Wirbel um das unwürdige Theater hinter dem Safety-Car sogar eine gerechte Lösung gegeben. Der richtige, weil fairste Call nach dem Crash von Williams-Pilot Nicholas Latifi, wurde im endlosen Strudel der Diskussionen zwischen aufgebrachten Teamverantwortlichen und heillos überforderter Rennleitung aber leider übersehen: Es wäre eine rote Flagge gewesen, mit anschließendem stehenden Neustart.
Damit hätte sich die FIA viele Diskussionen gespart und die, in erster Linie um Zuschauerzahlen und Vermarktung bemühten, Rechteinhaber von Liberty Media ihren großen Showdown trotzdem bekommen - nur hätten dabei beide Titelduellanten ihre Reifen wechseln dürfen und sich mit gleichen Waffen aufgemacht in einen Sprint über eine Runde um die WM-Krone: das wäre die eigentlich epische Finalshow gewesen!

Doppelter Titel: Olympia macht es vor

Das Rennglück hätte Verstappen trotzdem einen Vorteil und eine letzte unerwartete Chance beschert - Hamilton aber auch die Möglichkeit bekommen, sich zumindest zu verteidigen. Eine salomonische Lösung, die vom Reglement her absolut umsetzbar gewesen wäre, wie der mehrfach unterbrochene Grand Prix eine Woche zuvor in Saudi-Arabien mit seinen stehenden Restarts zeigt.
Hamilton vs. Verstappen: Muss es einen Verlierer geben?
Nur so hätte die Rennleitung faire Verhältnisse für alle Beteiligten herstellen können. Da ihr das nicht gelang, sollte man sich bei der FIA jetzt vielleicht doch am anfangs erwähnten Rat von Sebastian Vettel und Fernando Alonso orientieren: Die würden den Titel ja einfach an beide Fahrer vergeben...
Wie das funktioniert, bewies bei den Olympischen Spielen im Sommer der Fall der beiden Hochspringer Gianmarco Tamberi und Mutaz Essa Barshim, die sich die Goldmedaille einfach teilten und damit weltweit für positive Schlagzeilen sorgten.
Seitens der FIA wäre es das richtige Signal: Sowohl als Eingeständnis der eigenen Versäumnisse in Abu Dhabi, als auch als Lektion für die mittlerweile völlig entzweiten Top-Teams von Mercedes und Red Bull, die sich gegenseitig nicht mal mehr das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen.

Von

Frederik Hackbarth