Formel 1: Kommerz-Chef im Interview
Free-TV bleibt wichtig

Sean Bratches kümmert sich um alle kommerziellen Angelegenheiten der Formel 1, auch um TV-Verträge. Das erste Exklusiv-Interview in Deutschland!
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
- Bianca Garloff
Herr Bratches, die Verhandlungen um die neuen TV-Verträge in Deutschland stehen kurz vor dem Abschluss. Werden die Deutschen Formel 1 weiter im Free TV sehen können?
Sean Bratches: Wir sind gerade dabei eine ganze Zahl von TV-Verträgen auszuhandeln. Deutschland ist ein Land, um das es dabei geht. Wir haben derzeit eine fantastische Partnerschaft mit RTL und Sky – und das schon seit einer langen Zeit. Die Zahlen steigen. Das Qualifying in Aserbaidschan sahen beispielsweise 14 Prozent mehr Zuschauer als im Vorjahr, das Rennen sogar 43 Prozent mehr. Insgesamt sind die Quoten in Deutschland um zehn Prozent bei den Rennen und 29 Prozent im Qualifying gestiegen. Wir haben also eine schöne Erfolgsstory zu erzählen und eine großartige und wachsende Marke. Fakt ist auch: Wir werden das TV-Erlebnis weiter verbessern hinsichtlich Kameraführung, Grafik und Second-Screen-Angeboten.
Wie meinen Sie das genau?

Müssen die Fans bald für die F1-Action bezahlen?
Sie haben zuletzt immer wieder betont, Sie wollen ein Verhältnis von 30 zu 70 Prozent bezüglich Free- und Pay-TV. Gilt das auch für Deutschland? Ist es tatsächlich möglich, dass die Formel 1 nur noch teilweise im Free-TV zu sehen ist?
(Lächelt). Solange wir uns in Verhandlungen befinden, werde ich das nicht kommentieren. Ich kann aber soviel sagen: Free-TV ist eine wichtige Komponente unserer Vergangenheit und wir sind auch der Meinung, dass es eine wichtige Komponente unserer Zukunft ist.
Wann werden Sie kommunizieren, wo die Deutschen in Zukunft Formel 1 schauen können?
Wir haben keinen Zeitdruck, arbeiten lieber akkurat als schnell.
Welche Rolle spielt es, dass Eurosport zum Discovery-Konzern gehört, dem auch Liberty Media angehört?

Sean Bratches handelt die TV-Verträge der F1 aus
Wie wichtig ist die Social-Media-Komponente für Sie?
Wichtig. Wir wollen eine komplett neue digitale Plattform aufbauen, responsive, vernetzbar mit social media und mit Non-live-Inhalten. Über der Formel 1 schwebt eine mächtige Wolke voller Inhalte und Daten. Wir brauchen aber das richtige Interface, um diese Daten so zur Verfügung zu stellen, dass sie leicht konsumierbar sind. Haben wir dieses, können wir Motorsport- und Formel-1-Fans besser bedienen, als das je der Fall war. Ich freue mich schon auf die Herausforderung, den Content und die Daten zwischen Free-on-air und bezahlbaren Inhalten aufzuteilen, auf die man zum Beispiel für zehn Euro im Monat zugreifen kann. Das kann reichen von Telemetriedaten über G-Kräfte, denen die Fahrer ausgesetzt sind bis hin zur Reifentemperatur oder dem Speicherstatus des Energierückgewinnungssystems. Davon gibt es 1000 verschiedene Dinge.
Gehören dazu auch historische Rennen - die man beispielsweise Streamen kann?
Absolut. Rennen aus der Vergangenheit sind Teil des Plans.
Welche Fahrer haben bisher am besten verstanden, wie Sie die Formel 1 pushen wollen?

Auch im Rennsport wird Streaming immer relevanter
Welche Rolle spielt Online-Streaming?
Online-Streaming stellt eine Komponente der Distribution dar. Die Basis müssen aber Free- und Pay-TV bilden. Trotzdem muss man berücksichtigen, dass sich Technik und Konsumerverhalten ändern. Es gibt eine Reihe an Zuschauern, die gar keinen Fernseher mehr haben, die aber trotzdem Fans sind und bedient werden müssen. Dabei spreche ich allerdings nicht von kostenlosen Streams, sondern von Streams hinter einer Paywall, deren Preise so hoch angesetzt sein müssen, dass sie unsere TV-Verträge nicht kannibalisieren.
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