Zoff in der Formel 1. Ferrari-Präsident Sergio Marchionne ist mit den Zukunftsplänen des neuen Formel-1-Besitzers Liberty Media nicht zufrieden. Liberty Media plant einfachere Motoren, gerechter verteilte Einnahmen und gedeckelte Teambudgets. Marchionne droht daher mit dem Rückzug von Ferrari aus der Formel 1. Auf der Weihnachtsfeier der Traditionsmarke stellt er klar: „Einige Leute behaupten, dass unsere Drohungen bezüglich der Regeln für 2020/2021 ein Bluff sind – aber da spielen sie mit dem Feuer.“
Marchionne bringt eine Piratenserie, also eine Konkurrenz-Meisterschaft zur Formel 1, ins Spiel: „Wenn wir mit etwas drohen, dann ziehen wir es auch durch. Wir haben die Möglichkeit, etwas Ähnliches wie die Formel 1 auf die Beine zu stellen.“
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Ein blauweißer Ferrari: Beim Mexiko-GP 1964 fuhr Surtees den Ferrari für das NART-Team
Ausstiegsdrohungen von Ferrari wiederholen sich fast jährlich. Am konkretesten waren die Pläne 1986. Damals stritten sich Ferrari und der Automobilweltverband FIA über die neuen Motoren nach der Turboära. Die Scuderia wollte traditionell einen V12-Motor bauen – gegen den FIA-Willen. Ferrari entwickelte daher einen eigenen IndyCar-Rennwagen: Der Ferrari 637, angetrieben von einem 2,65-Liter-V8-Turbo, wurde sogar von IndyCar-Pilot Bobby Rahal sowie dem Ferrari-Fahrer Michele Alboreto in Fiorano getestet. Die FIA gab nach, Ferrari blieb und der Motor wurde an Alfa Romeo weitergegeben, die damit in der IndyCar ohne große Erfolge fuhren.
Die Formel 1 ohne Ferrari – kaum vorstellbar. Bei bisher 976 WM-Läufen kam das auch nur 28 Mal vor. Zehn Mal wegen des Indy 500, das von 1950 bis 1960 zur Weltmeisterschaft zählte, aber ein IndyCar-Lauf war. Nur 1952 versuchte sich Ferrari bei diesem Traditionsrennen mit einem Werksprogramm. Drei Mal wurden die Roten wegen Industriestreiks in Italien an der Teilnahme beim englischen Grand Prix gehindert – gleich beim ersten WM-Lauf der Geschichte 1950, dazu 1959 und 1966.

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Formel 1: Die wichtigsten Hersteller in der Geschichte
Bei drei Rennen trat Ferrari nicht an, weil sie sich nicht blamieren wollten. 1969 startete die Scuderia lieber ein großes Entwicklungsprogramm für das Heimrennen in Monza anstatt beim Großen Preis von Deutschland aufzutauchen. Gleiches gilt 1973 in Deutschland und den Niederlanden – in einer Saison, in der Ferrari keinen einzigen Podestplatz erringen konnte.
Kurios: Beim Frankreich-GP 1950 fehlte Ferrari, weil bei einem parallel stattfindenden Formel-2-Rennen höhere Preisgelder ausgeschüttet wurden! Und: In den frühen 60er Jahren reiste Ferrari nur selten zu den USA-Rennen. 1964 leitete das nordamerikanische NART-Team die Einsätze für die Italiener, färbte die Autos daher auch blauweiß. Enzo Ferrari wollte damit dem italienischen Automobilverband eins auswischen: Sie stritten sich wegen Ferraris Sportwagenprogramm. John Surtees fuhr den WM-Titel also nicht in rot, sondern in blauweiß ein. Damals wurden die Autos noch nach Landesfarben lackiert, italienische Teams starteten mit roten Autos, amerikanische mit blauweißen.
Beim Südafrika-GP 1967 fehlte Ferrari, weil der neue Rennwagen noch nicht fertig war. Der Grand Prix wurde schon im Januar ausgetragen, der nächste aber erst vier Monate später in Monaco. Den GP im Fürstentum ließ Ferrari 1968 aus, weil man nach dem Feuercrash von Lorenzo Bandini 1967 die Strecke für zu gefährlich hielt. Die Meinung änderte sich ab 1969 wieder. 1976 fehlte Ferrari nach dem Feuerunfall von Niki Lauda beim Österreich-GP und 1982 nach dem Villeneuve-Todescrash im Qualifying beim Belgien-GP. Es war bis heute das letzte Formel-1-Rennen ohne Ferrari.