Formel 1: Marko über Rindt
Der Tag, an dem Jochen Rindt starb

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Am 5. September 1970 starb Jochen Rindt. Heute vor 49 Jahren. Red-Bull-Berater Helmut Marko erinnert sich an den Deutschen, der für Österreich fuhr.
Ich kann mich an den Tag, an dem Jochen Rindt starb, noch erinnern, als wäre es gestern. Ich saß am 5. September 1970 vor dem Radio in Graz und verfolgte das Qualifying in Monza. Jochen hatte schon fünf Rennen gewonnen, führte überlegen in der WM. Mit einem Sieg in Italien wäre er in der WM kaum noch einzuholen gewesen. Es war keine Live-Reportage, sondern es gab immer wieder Einblendungen. Plötzlich redeten sie von einem schweren Unfall von Jochen in der Parabolica-Kurve...
(Die vordere rechte Bremswelle brach, Rindts Lotus prallte in die Leitplanken. Rindt hatt seinen Gurt aus Angst vor einem Feuerunfall nicht richtig fest gezurrt, rutschte nach unten. Dabei wurde seine Hauptschlagader durchtrennt; d. Red.)

Helmut Marko mit einem Foto seines Freundes Jochen
Jochen spielte sogar ernsthaft mit dem Gedanken, als Weltmeister nach der Saison aufzuhören. Ich war eine Woche vor dem Unfall bei ihm in der Schweiz gewesen, wo wir darüber redeten. Er hatte mich für das kommende Jahr in seinem Formel-2-Team verpflichtet. Ich sollte zusammen mit Emerson Fittipaldi fahren. Man muss wissen: Die Formel 2 hatte damals fast den Stellenwert der Formel 1 und galt als bestes Sprungbrett für den Grand-Prix-Sport. Jochen hatte sie jahrelang dominiert. Jetzt war das alles egal, er war tot! An diesem Abend flüchtete ich aus der schrecklichen Realität und betrank mich.
Der Film meiner Jugend lief noch einmal stumm in meinen Gedanken ab. Als wir mit einem alten Käfer durch die Weinberge in Graz drifteten. Wir fuhren immer zu viert. Wir hatten ein System entwickelt, um uns zu verbessern. Einer fuhr, die anderen drei waren die Jury. War die Jury der Meinung, dass der Fahrer die letzte Kurve nicht am Limit fuhr, musste er das Lenkrad an den nächsten abgeben. Bei Jochen bestand nie ein Zweifel. Wenn er an der Reihe war, gab er das Steuer nicht mehr ab. Er war der wildeste Hund von allen, mit einer Fahrzeugbeherrschung, die ich bis heute nicht mehr in dieser Form erlebt habe.
Die Beerdigung auf dem Grazer Zentralfriedhof war das größte Event, das Graz wohl je erlebt hat. Die ganze Formel 1 von damals war da. Als ein Trompeter 'The End' von Jim Morrison spielte, brach Jochens Ehefrau Nina zusammen. An dem gemeinsamen Essen danach konnte ich nicht mehr teilnehmen. Ich musste alleine sein.

Stars im Fahrerlager: Rindt (M.) und seine Frau Nina
Von Helmut Marko
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