Die Szene steht symbolisch für die Karriere von Max Emilian Verstappen (24). Wenige Minuten nachdem der Niederländer beim Großen Preis von Abu Dhabi 2021 nach einem chaotischen Endspurt als Erster durchs Ziel rast, hockt er sich in den Katakomben der Rennstrecke zu seinem Vater Jos (49).
Beide schauen sich in die ­Augen, dann lächeln sie. „Dies war eine family affair“, sagte der Red-Bull-Pilot später gerührt. „Meine Familie hat so viel für mich geopfert. Ich bin froh, dass sich der Einsatz nun ausgezahlt hat.“
Die Mission ist erfüllt. Max Verstappen ist im wahrsten Wortsinn ein MAXimaler Champion. Er steht für maxi­male Aggressivität, maximales Talent, maximale Planbarkeit. AUTO BILD erklärt den Titelverteidiger 2022.
Die Mission WM-Titel begann 2003. Da beendete Vater Jos seine eigene, von Teamkollege Michael Schumacher entzauberte Karriere und steckte fortan seine ganze Energie in den Sohn, der es besser machen sollte als der Vater.
Der neue Formel-1-Weltmeister Max Verstappen musste durch eine harte Schule.
Die Schule, durch die Max ­gegangen ist, war hart. „Es war nicht so, dass mein Vater ständig wollte, dass ich gewinne“, sagt Max Verstappen zu Auto Bild. „Auch ein zweiter Platz war okay für ihn, wenn ich das Maximale herausgeholt habe. Aber sobald er gesehen hat, dass ich keine 100 Prozent gegeben habe, wurde er wirklich sauer. Ich meine: RICHTIG sauer. Er würde sein Geld investieren, um mich in die Formel 1 zu bringen, hämmerte er mir ein. Und deswegen er­warte er, dass ich mich gefälligst voll reinhängen müsse.“
Der neue Weltmeister erinnert sich an ein Beispiel: „Einmal ­hatte ich keinen Bock. Mein Vater merkte mir das an und schlug mir mit voller Wucht auf den Helm. Jeder im Fahrerlager hat das mitgekriegt. Er sagte nur: ,Wenn du weiter so fährst, packen wir und fahren nach Hause.‘ Ich wachte auf, fuhr auf Pole, gewann alle sechs Vorläufe, Halbfinale und Finale. Manchmal fragt er mich heute noch aus Spaß, ob er mir wieder auf den Helm hauen soll, damit ich schneller werde.“
2021 war das nicht ­nötig. Verstappen überzeugte mit maximal angriffslustiger Fahrweise und markigen Worten. Noch vorm Finale tönte er: „Ich glaube, es macht Lewis nervös, wenn er mich im Rückspiegel sieht. Er ist ein anderer Typ Fahrer als ich, weniger aggressiv. Dafür kann ich ihm aber keine Schuld geben, denn er musste das nie so lernen wie ich von meinem Vater.“
Tatsächlich gilt Max Verstappen als Wunderkind, als talentiertester aller Piloten mit dem perfekten Gefühl im und fürs ­Auto. Jagt er jetzt Hamiltons ­Rekorde? Ausnahmsweise geht er mal nicht auf Angriff: „Alles, was jetzt kommt, ist für mich ein Bonus.“ Für seinen Vater auch.

Von

Bianca Garloff