Max Verstappen (24) genießt seine ersten Wochen als Weltmeister derzeit bei Freundin Kelly Piquet in Brasilien. Bei seinem Red Bull-Team wird dagegen schon wieder auf Hochtouren an seinem neuen Rennwagen gearbeitet. Die Besonderheit: 2022 kommen ganz neue Autos mit mehr Gewicht und weniger Bodenhaftung. Bleibt die Frage: Kann der Holländer auch damit wieder den Unterschied machen?
Verstappen gilt als aggressivster Fahrer im Feld mit einer ganz besonderen Fahrzeugbeherrschung. Doch neue Regeln bergen oft auch die Gefahr, dass ein Pilot seine Stärken nicht mehr so ausspielen kann. So erging es Sebastian Vettel bei der Einführung der Hybridmotoren 2014. Der Heppenheimer konnte den angeblasenen Diffusor in der Ära der Achtzylinder-Motoren perfekt für sich nutzen.
Auch Verstappen ist ein Fan der letztjährigen Modelle gewesen. „Ich mag die aktuellen Autos in Bezug auf die Geschwindigkeit, weil es wirklich beeindruckend ist, wie viel Grip man hat“, sagte er in einem Sponsor-Interview und ergänzt: „Die neuen Autos werden also definitiv ein paar Sekunden langsamer sein.“
Das ist aber gewollt. Durch neue Aerodynamikregeln sollen die Rennwagen dichter hintereinander herfahren und miteinander kämpfen können. Das kostet ein paar Punkte Abtrieb und damit Bodenhaftung.
Verstappen gilt als aggressivster Fahrer im Feld mit einer ganz besonderen Fahrzeugbeherrschung.
Verstappen weiter: „Die Reifen werden mit 18-Zoll-Felgen ebenfalls ganz anders aussehen – auch ihre Reaktion der Reifen ist anders, ich muss mein Fahrverhalten darauf einstellen.“ Der frischgebackene Weltmeister ist die neuen Autos schon im Simulator gefahren und die Pneus beim Nachsaisontest in Abu Dhabi. „Es fühlt sich ein bisschen schärfer an, die Reaktion der Reifen und die allgemeine Traktion, die man aus den Kurven heraus hat“, verrät er.
Entsprechend wichtig sei die schnelle Anpassung an die neuen Rennwagen. Das allerdings bereitet dem Niederländer keine Sorgen. „Jeder fragt immer: ,Wie ist dein Fahrstil?‘“, sagt er. „Nun, ich glaube nicht, dass ich einen habe. Man passt sich einfach der Situation an. Das ist dein Fahrstil, denn wenn das Auto untersteuert, musst du dich an das Untersteuern anpassen. Und wenn das Auto übersteuert ist, muss man sich darauf einstellen. Daher denke ich, dass Anpassung am Ende des Tages der Schlüssel ist.“
Auch bei Red Bull bleibt man unbesorgt, dass der Champion mit weniger Haftung Probleme bekommen könnte. „Max kann ein Auto fahren, das im Heck relativ instabil ist“, erklärt Red Bull-Berater Helmut Marko bei Sport1. „Für ihn muss das Auto so schnell wie möglich sein und nicht bequem.“
Marko glaubt außerdem, dass Red Bull auch unter den neuen Regeln zur Spitze zählen wird. „Wir denken, dass wir auf Augenhöhe mit Mercedes vorne sind – es sei denn, jemand findet ein Schlupfloch wie damals den doppelten Diffusor.“
Und dann bleibt da ja noch der Verstappen-Faktor. „Max hat so viel natürliches Talent, dass es ihm leichter als anderen Fahrern fällt, am Limit zu fahren“, erklärt Teamchef Christian Horner. „Er steht nicht unter Druck, wenn er Vollgas gibt, bekommt deshalb immer noch mit, was mit dem Rennen, dem Auto und den Gegnern los ist. Das gibt es nur ganz selten. Lewis verfügt über diese Fähigkeit, Max auch, und auch Sebastian (Vettel; d. Red.) hatte sie, als er seine Titel holte.“
Der Deutsche holte nach seiner ersten Weltmeisterschaft noch drei weitere WM-Pokale mit Red Bull. Gute Aussichten für Max Verstappen.

Von

Bianca Garloff