Formel 1: McLaren zaudert
Piastri kritisiert fehlende Stallorder

Bild: Zak Mauger/LAT Images/McLaren
Vorsprung verschenkt – weil McLaren zaudert: In Suzuka zeigt sich erneut, was die Titelträume gefährden könnte. Die Papaya-Rakete ist das schnellste Auto im Feld – doch Red Bull hat das bessere Timing, die klareren Ansagen und den kompromissloseren Champion.
Es hätte der große Befreiungsschlag werden können. Stattdessen stehen Lando Norris und Oscar Piastri nach dem GP von Japan in Suzuka mit Platz zwei und drei da – und einem Hauch von Ratlosigkeit. Der Sieger: Max Verstappen. Trotz leichter Red-Bull-Schwächen zu Beginn des GP-Wochenendes holt der Weltmeister in Suzuka den ersten Sieg des Jahres – auch weil McLaren sich selbst im Weg steht.
Die Szene des Rennens: Boxengasse statt Überholspur
„Ich denke, das war trotzdem ein sehr gutes Rennen“, sagt Norris hinterher – doch seine Mimik spricht eine andere Sprache. In der Pressekonferenz von Suzuka sitzt ein angeschlagener WM-Leader. Einer, der weiß: Das war eine empfindliche Niederlage gegen den aktuell besten Fahrer seiner Zunft.
Schlüsselszene eins: die Ausfahrt aus der Boxengasse im Infight mit Verstappen. Zunächst liegt Norris da nach einem superschnellen Reifenwechsel noch neben dem bis dato führenden Red Bull – doch wenige Meter später schon holpert er durch die Wiese. „Er hat mich von der Strecke gedrängt“, jammert der Brite am Funk. Immerhin: Zwei Stunden später sieht er das Duell schon realistischer: „Ich erwarte nicht, dass Max zurückzieht. Ganz ehrlich, er wäre der Letzte, von dem ich das erwarten würde – und ich meine das im positiven Sinne.“

Oscar Piastri übt Kritik an der McLaren-Strategie
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Bild: Steven Tee/LAT Images/McLaren
Piastri schneller – aber gebremst
Noch brisanter: Während Norris im letzten Renndrittel im Windschatten von Verstappen festhängt, klebt ihm Teamkollege Piastri am Heck. Der Australier wirkt klar schneller – und sagt das auch. Doch auf den Platztausch via Stallregie und eine mögliche Attacke auf Verstappen verzichtet der Kommandostand. „Ich hatte das Gefühl, dass ich schneller bin – vor allem im mittleren Stint“, erklärt ein ebenso niedergeschlagen wirkender Piastri. „Aber ich glaube, als Team wollten wir das Ergebnis sichern.“
Was er von dieser Strategie hält, macht er im nächsten Satz deutlich: „Ich wollte einfach rüberbringen, dass ich einen wirklich guten Speed hatte. Und wenn ich einen Rang vorgerückt wäre, glaube ich wirklich, hätte ich mir Max schnappen können. Aber das Team hat sich nun mal so entschieden, wie wir es erlebt haben.“
Teamchef Stella verteidigt Vorsichtskurs
Teamchef Andrea Stella sieht das naturgemäß anders: „Wir wollten keinen Zwischenfall riskieren. Red Bull hatte ein perfektes Wochenende, wir waren im Qualifying ein paar Millisekunden davon entfernt. In so einem Sport geht es eben um Details.“
Doch genau darin liegt das Problem: Während McLaren sich in eben jenen Details verstrickt, zaubert Verstappen am Lenkrad seines Red Bull. Die Konsequenz: Aus Norris’ komfortablem WM-Vorsprung ist ein einziger Punkt geworden. Piastri hat immer noch 13 Zähler Rückstand. Eine mickrige Ausbeute für ein Team mit dem schnellsten Auto im Feld.
McLaren steht deshalb vor einer gefährlichen Gratwanderung. Das Auto ist mehr als WM-reif. Doch sowohl am Kommandostand als auch im Cockpit fehlt der unbedingte Wille zum Sieg. Das war schon 2024 eine Schwäche. Wenn das britische Traditionsteam 2025 beide Titel holen will, braucht es mehr als nur Tempo. Es braucht vor allem Entschlossenheit und Mut. Sonst ist Verstappen sofort zur Stelle.
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