Es bleibt still um Lewis Hamilton (36). Der siebenmalige Weltmeister schweigt. Seit dem verlorenen WM-Finale in Abu Dhabi hat sich der Brite aus der Öffentlichkeit zurückgezogen – und triggert damit Spekulationen über sein Karriereende.
Und je länger Sir Lewis sich in eben jenes stille Schweigen hüllt, desto mehr spekulieren die Experten, was in seinem Kopf vor sich geht. Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve überrascht jetzt mit einer ganz neuen Theorie. Der Kanadier glaubt, dass sich Hamilton von seinem Mercedes-Teamchef Toto Wolff abgrenzen will.
„Ich interpretiere sein Schweigen als einen Weg, um sich von Toto Wolff zu distanzieren“, sagt Villeneuve der italienischen Zeitung „Gazzetta dello Sport“. Hintergrund: Der Wiener habe sich nach dem Finale als schlechter Verlierer präsentiert – und das sei ganz und gar nicht im Sinne des fairen Sportsmanns Lewis Hamilton.
Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve sucht nach einer Erklärung für das Schweigen von Mercedes-Star Lewis Hamilton.
Villeneuve: „Man kann mit Stil verlieren, stattdessen benahm sich Toto wie jemand, der Monopoly spielt und alles umwirft, weil er verliert. Für mich hat er sein Image beschädigt und Hamilton ist empfindlich bei diesem Thema, denn er denkt an seine Zukunft in Amerika, vielleicht in Hollywood.“
Tatsächlich hatten britische Medien zuletzt berichtet, Hamilton könnte in ein Formel-1-Filmprojekt mit Hollywood-Star Brad Pitt involviert sein.
Laut Villeneuve ist ein Rücktritt des britischen Rekordchampions deshalb auch keine leere Spekulation. Hamilton sei auch „ein bisschen müde“, konstatiert Villeneuve.
Ob er weitermacht, könnte auch von der Performance des neuen Silberpfeils abhängen. „Er hatte ruhige Jahre nach Nico Rosbergs Rücktritt und er will sicher nicht noch ein Jahr wie das letzte erleben“, erklärt der Weltmeister von 1997. „Er dachte, er könne einfach Rekorde brechen und das war nicht der Fall. Und dann, wenn man den Titel so verliert – es ist, als habe man einen Diamanten in Händen, der einem weggenommen wird. Es schmerzt viel mehr, als wenn Verstappen das ganze Rennen geführt hätte.“
Gleichzeitig rechnet Villeneuve nicht mit einer Absetzung von Michael Masi. Der FIA-Rennleiter hatte mit konfusen Entscheidungen während der letzten Safetycar-Phase in Abu Dhabi den Unmut der Fans auf sich gezogen genauso wie den von Hamilton und Mercedes.
„Masi wird nicht von seinem Posten entfernt“, glaubt der Ex-Williams-Pilot. „Wir dürfen nicht vergessen, unter welchem Druck er stand, besonders bei den letzten fünf Rennen der Saison, mit dem Gebrüll der Teamchefs im Ohr.“ Deshalb, so Villeneuve, „bin ich nicht der Ansicht, dass Masi in Abu Dhabi alles falsch gemacht hat. Es war richtig, das Rennen freizugeben, aber ich hätte die Überrundeten eine Runde vorher schon überholen lassen."
Dann allerdings wäre das Ergebnis dasselbe gewesen: ein Showdown zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton in der letzten Runde und eine anschließende Redepause des entthronten Champions.

Von

Bianca Garloff