Noch knapp 14 Tage Zeit hat Lewis Hamilton (37) Zeit, seine Rolle der Dramaqueen zu beenden. Dann muss er die Maske fallen lassen und offiziell genau das tun, was intern und bei ihm selbst nie zur Debatte stand: den Angriff auf seinen achten WM-Titel starten.
Am 18. Februar stellt Mercedes sein Auto für die neue Saison vor – mit neuem altem Look: Silber ersetzt wieder schwarz. Auch die Fahrer werden bei der Präsentation dabei sein. Natürlich.
An der Präsenz von Hamiltons neuem Teamkollegen und Landsmann George Russell (23) gab es ohnehin nie Zweifel. Der Mercedes-Junior, der den Sprung von Williams zum Topteam der vergangenen acht Jahre geschafft hat, postet munter und motiviert, wie er sich freue, endlich ein siegfähiges Auto zu haben.
Um Hamilton dagegen ranken sich die Rücktrittgerüchte. Seit ihn Prinz Charles vier Tage nach seiner größten Niederlage in Abu Dhabi zum Ritter geschlagen hatte, ist der Superstar abgetaucht. Keine Posts, keine Fotos, nichts. Als wäre er vom Erdball verschwunden. Ein Rücktritt, wie besonders von den Medien seiner britischen Heimat fast alltäglich spekuliert wird, war dabei nie ein Thema.
Im Gegenteil: Der Superstar begann klammheimlich mit dem härtesten Fitnessprogramm seiner Karriere, um sich den Titel, um den er sich vom Automobilweltverband FIA und speziell von deren Rennleiter Michael Masi betrogen fühlt, von Red-Bull-Weltmeister Max Verstappen zurückzuholen.
Lewis Hamilton bereitet sich auf seine 16. Formel-1-Saison vor.
Die verschneiten, einsamen Ecken seiner zweiten Wahlheimat Colorado bieten das perfekte Kontrastprogramm zu Hamiltons Formel-1-Frust. Kontakt hatte er nur mit seiner Familie und seinem besten Freund, der Bulldogge Roscoe. Der Vierbeiner heißt in den sozialen Medien mittlerweile übrigens sogar offiziell „Roscoe Hamilton“.
Und, natürlich, pflegte er eine regelmäßige Konversation mit seinem Bruder im Geiste, Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der die Spekulationen um ein Karriereende Hamiltons munter mit schürte. Genüsslich beobachtete Hamilton aus seinem selbstgewählten Exil, wie die medialen Possen um seinen Rückzug immer größer wurden. Man kann ahnen, wie er es genoss, trotz verlorenen Titels Zentrum des Formel-1-Universums gewesen zu sein.
Allein: So sehr Fans und die meisten Medien sein Karriereende in Betracht zogen: Bei den Insidern der Szene war die F1-Flucht Hamiltons nie ein Thema. „Das Schweigen war Teil des Dramas“, lächelt beispielsweise Red-Bull-Teamchef Christian Horner alle Gerüchte weg.
Sein Chef Helmut Marko (78) ergänzt: „Normalerweise gäbe es Unruhe, wenn am Rücktritt was dran wäre“, erklärt der Red-Bull-Chefberater ABMS, „dann würden hinter den Kulissen die Drähte heiß laufen, um Lewis zu ersetzen. Aber es gab nichts: keine Anrufe, keine Telefonate, noch nicht einmal interne Spekulationen. Weder bei uns noch woanders.“
Auch bei Mercedes laufen die Pläne mit ihrem teuersten Mitarbeiter weiter auf vollen Touren. Gerade plant der Konzern, einen Werbefilm mit Hamilton und einem anderen Superstar, der Markenbotschafter des Sterns aus Stuttgart ist, zu drehen: Tennis-Ikone Roger Federer.
Nie gab es Zweifel an der Fortsetzung seiner Karriere. Wenn überhaupt, dann nur, wenn Hamilton 2021 Michael Schumacher überholt und den achten WM-Titel eingefahren hätte. Das sieht auch F1-Sportchef Ross Brawn so: „Lewis will alleiniger Rekordweltmeister werden und ich denke dafür hat er bei Mercedes die größten Chancen.“
Fest steht: Spätestens bei der Präsentation des neuen Silberpfeils am 18. Februar werden die Berichterstatter einen Hamilton erleben, der entschlossener und fitter wirkt denn je. Und sie werden womöglich über sich selbst lachen. 

Von

Ralf Bach