Pathetische Musik, eine Lasershow und ein Lewis Hamilton, der das Lächeln wiedergefunden hat: Mercedes hat heute den neuen W13 am Firmensitz in Brackley der Öffentlichkeit präsentiert. Die wichtigste Änderung für Mercedes-Fans: Der Rennwagen ist wieder Silber. Die schwarze Lackierung der letzten Jahre gehört damit der Vergangenheit an. Der Silberpfeil ist wieder da!
Das große Ziel: den Fahrer-WM-Titel von Max Verstappen zurück holen und den neunten Konstrukteurs-Titel in Folge gewinnen. Das Feld ist bereitet: „Seit Beginn der Arbeit am W13 habe ich bei unseren Teammitgliedern einen Enthusiasmus erlebt, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen habe, weil dieses technische Reglement so viele Möglichkeiten bietet“, sagt Teamchef Toto Wolff.
„Wir haben zwar eine gute Erfolgsbilanz, aber meine Botschaft ist klar: Wir können uns nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen.“
Mercedes F1 W13 E
Der W13 wurde von Grund auf neu entwickelt.

Die Angriffslust ist zurück im Weltmeisterteam, der Aberglaube nicht. Um die Unglückszahl 13 macht man trotz der Ereignisse aus Abu Dhabi keinen Bogen. Der W13 ist das 13. Auto, das vom Mercedes-AMG Werksteam seit seiner Formel 1-Rückkehr im Jahr 2010 entwickelt wurde. Aufgrund neuer Technikregeln ist es auch das innovativste.
„Auf der Chassis-Seite sind die Änderungen enorm“, betont Technikchef Mike Elliott angesichts der Regel-Revolution. „In meiner Karriere habe ich bislang noch nie so große Veränderungen gesehen.“ Mit Blick auf den neuen Groundeffect-Unterboden konstatiert er aber auch: „Für die Performance des Autos ist nicht das wichtig, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht.“
Trotzdem beeindruckt die Außenhaut des W13 die Experten. Die Nase ist ähnlich lang wie am Ferrari, die Seitenkästen schmal und gleichzeitig unterschnitten. Der Unterboden weist interessante Wellen und Kanten auf, auch der Heckflügel ist wellenförmig angelegt. „Wir hatten keine Probleme bei der Entwicklung und unseren Zeitplan immer eingehalten“, warnt Teamchef Wolff die Konkurrenz, weiß aber: „Das ist keine Garantie.“
Denn wie alle anderen neuen Autos auch wurde der Silberpfeil von Grund auf neu entwickelt. Das Lenkrad ist das einzige Element, das von seinem schwarzen Vorgänger übernommen wurde.

Antriebseinheit runderneuert

Technikchef Elliott: „Um die gewünschten Aerodynamikformen zu erreichen, mussten wir den Innenraum komplett umgestalten, bis hin zum elektrischen Layout und dem Einbau von Teilen wie der Kontroll-Unit. Wir haben die Seitenkästen und die Motorabdeckung sehr eng gestaltet. Dafür reicht es nicht, alles in Schrumpffolie zu verpacken, stattdessen erfordert es eine große Menge an Umgestaltung und Simulation. Das war eine  gewaltige Arbeit.“
Dabei profitiert Mercedes wie in den Vorjahren von der engen Verzahnung zwischen Chassis- und Motorfabrik. Die Antriebseinheit wurde perfekt ins neue Auto eingepasst – und obendrein noch runderneuert.
Mercedes F1 W13 E
Das große Ziel: Den Fahrer-WM-Titel zurück holen und den neunten Konstrukteurs-Titel in Folge gewinnen.

Der Grund: „Für 2022 wurde uns eine letzte Leistungsverbesserung zugestanden, die größtenteils zu Beginn der Saison erfolgen muss“, erklärt Motorchef Hywel Thomas. Danach werden die Motoren bis 2026 eingefroren. An der neuen Antriebseinheit hat Mercedes deshalb und aufgrund des neuen E10-Benzins mehr verändert als bei allen vorherigen Versionen seit der Einführung der V6-Turbos im Jahr 2014.

Mercedes mit Kampfansage

Auch zwischen Lenkrad und Motor sitzt eine neue, menschliche Komponente: Statt Valtteri Bottas lenkt 2022 George Russell (24) den Silberpfeil neben Lewis Hamilton (36). „Das wird eine interessante Situation”, sagt Teamchef Wolff. „George ist ein aufstrebender Star, Lewis zweifellos der beste Fahrer der Formel 1. Das bringt eine neue Dynamik.“ Einen Nummer-1-Status hat Hamilton aber nicht. „Wir hatten nie eine Nummer 1 und eine Nummer zwei“, betont der Wiener.
Für den siebenmaligen Weltmeister Hamilton indes war es der erste öffentliche Auftritt seit seinem Ritterschlag und der unglücklichen Niederlage in Abu Dhabi. Sir Lewis beendete dabei gleich mal alle Spekulationen um einen Rücktritt, die im Winter hochgekocht waren. Der Brite mit einem Grinsen im Gesicht: „Ich habe nie gesagt, dass ich zurücktreten werde! Ich liebe diesen Sport und die Arbeit mit dem Team.“
Die Mercedes-Präsentation, sie war eine einzige Kampfansage.

Von

Bianca Garloff