Für Lewis Hamilton (37) geht die Saison jetzt erst richtig los. 4:5 steht es im teaminternen Qualifyingduell gegen seinen jungen Landsmann George Russell (24), nach Punkten liegt der siebenmalige Weltmeister 77 zu 111 zurück.
Doch Platz drei in Kanada hat Hamilton Lust gemacht auf mehr. Deshalb fordert der Engländer, künftig nicht mehr als Versuchskaninchen eingesetzt zu werden. „Vielleicht kann George in der zweiten Saisonhälfte die Experimente bestreiten!“, sagte er nach dem Rennen in Montreal.
Hintergrund: Besonders der erfahrene Champion wurde von Mercedes zuletzt immer wieder dazu verdonnert, neue Teile oder alternative Abstimmungen zu testen. So auch in Kanada, wo er damit im freien Training wichtige Zeit verlor.
Lewis Hamilton will den Testfahrer-Job loswerden.

"Wir versuchen einfach nur, als Team Fortschritte zu machen“, räumt Hamilton ein und ergänzt: „Ich glaube aber, künftig müssen wir etwas mehr Vorsicht walten lassen und nicht zu viele Experimente vornehmen. Denn sowas schränkt dich an einem Wochenende doch ziemlich ein."
Trotzdem macht gerade das letzte Rennen dem Briten auch Hoffnung. Hamilton: "Das Auto hatte eine gute Pace. Das ist schön zu sehen, weil das bisher nicht immer der Fall. Als das Safetycar abbog, träumte ich davon, es mit Ferrari und Red Bull aufzunehmen. Sie waren aber noch zu schnell. Doch wir kommen da hin, irgendwann."
Ob George Russell in Zukunft allerdings die Rolle des Versuchskaninchens übernehmen will, bleibt zu bezweifeln. Er profitierte bisher von weniger Set-up-Spielchen an seinem Mercedes W13. Vielleicht auch deshalb streut er den seinem Teamkollegen für dessen Testfähigkeiten verbal Rosen: „Lewis ist auf der technischen Seite überaus eindrucksvoll, und ich glaube nicht, dass dies in der Öffentlichkeit gebührend anerkannt wird.“
Zuletzt hatte Ex-Mercedes-Ingenieur Philipp Brändle bei Servus TV noch verraten, Hamilton habe aus seiner Sicht „nicht den technischen Background, wie ihn ein (Michael; d. Red.) Schumacher oder ein Nico Rosberg hatte. Er braucht einfach Vertrauen ins Auto.“
Wenn er das allerdings habe, könne er mit dem Silberpfeil zaubern. Wie in der Vergangenheit auch in Silverstone: Mercedes hat acht der vergangenen zehn Grands Prix im Home of British Motor Racing gewonnen, sieben davon mit Hamilton am Steuer. Damals musste er aber auch selten Versuchskaninchen spielen.

Von

Bianca Garloff