Die Welt ist eine andere geworden im Lager von Mercedes. Nach achtjähriger Dominanz sind die Seriensieger abgerutscht ins vordere Mittelfeld. Das ändert zwangsweise den Blickwinkel. War die Überlegenheit früher eine willkommene Abwechslung, herrscht in der Welt der Silberpfeile jetzt Langeweile.
„Ich denke, der Grund, warum die Rennen weniger unterhaltsam sind, liegt darin, dass das Leistungsgefälle zwischen den Teams einfach zu groß ist“, sagte Teamchef Toto Wolff nach dem Sprintrennen in Spielberg. „Wenn (Max; d. Red.) Verstappen in der Ferne verschwindet, sind die beiden Ferraris die einzige Unterhaltung während des Rennens, und dann sind wir mitten im Nirgendwo im Niemandsland.“
Dabei hat Mercedes seit Saisonbeginn schon Fortschritte erzielt. „Ich würde sagen, wir haben den Abstand zu Ferrari und Red Bull halbiert“, räumt Wolff nach Lewis Hamiltons drittem Platz in Spielberg ein. „Uns fehlen immer noch ein paar Zehntel hier und da, aber wir verstehen das Auto deutlich besser.“
Lewis Hamilton fährt in Frankreich seinen 300. Grand Prix.

Das wiederum ist die Grundlage für ein umfangreiches Updatepaket an diesem Wochenende in Le Castellet. Den offensichtlichen Auftakt macht eine größere Öffnung an der Nasenspitze, die fast schon ein eine BMW-Niere erinnert. Weitere Neuheiten sollen weniger stark ins Auge fallen, aber wirken. Vor allem gegen das gefürchtete Porpoising, das Springen der Autos.
Das müssen sie auch, denn ohne einen Sieg von Lewis Hamilton,  droht 2022 ein Rekordlauf beendet zu werden: So gab es in den letzten 30 Jahren keine Saison, in der nicht entweder Michael Schumacher oder Hamilton mindestens ein Rennen gewonnen haben.
An diesem Wochenende beim GP Frankreich steht für den britischen Mercedes-Superstar zudem ein Jubiläum an. Hamilton fährt seinen 300 Grand Prix und ist damit erst der sechste Formel-1-Pilot, der diese Bestmarke erreicht. Mit 349 GP führt Kimi Räikkönen die Liste der meisten Rennen an.
Freiwillig verzichtet der Mercedes-Superstar derweil auf das erste freie Training. Formel-E-Champion Nyck de Vries bekommt im Rahmen eines von zwei freien Trainings, in dem die Teams einen Rookie einsetzen müssen, seine Chance.

Von

Bianca Garloff