Für Mercedes war die Formel-1-Saison 2022 bisher eine Jahr zum Vergessen. Der mit seiner Wespentaille innovativ konstruierte Silberpfeil entpuppte sich als launische und vor allem hoppelnde Diva. Erstmals seit 2014 kann das Team, das zu einem Drittel dem Stuttgarter Autobauer gehört, nicht um den Titel fahren.
Trotzdem will man die Saison nicht ganz herschenken. Ein Rennsieg und Platz zwei in der Konstrukteurs-WM sind die Ziele, die die Dauersieger von einst vor dem GP Singapur anpeilen.
„Wir wollen versuchen, mit Ferrari um die P2-Position zu kämpfen“, sagt Mercedes-Technikchef Mike Elliott. „Wir wollen versuchen, in dieser Saison ein Rennen zu gewinnen, oder idealerweise mehrere Rennen; und vor allem wollen wir uns wieder auf den richtigen Weg bringen, damit wir nächstes Jahr richtig um die Meisterschaft kämpfen können.“
Mercedes will Ferrari bis Saisonende noch überholen

Auf Ferrari fehlen der Mannschaft mit Sitz in Brackley nur 35 Zähler.
Dabei entschuldigt sich Elliott fast schon, wenn er von einer Attacke auf die Scuderia und in Zukunft auch wieder Red Bull spricht: „Das soll nicht respektlos gegenüber unseren Gegnern sein, aber das ist es, was wir wirklich tun müssen. Wir wollen wieder dabei sein [und] wir wollen um Meisterschaften kämpfen – denn darum geht es uns.“
Für Mercedes spricht: Trotz der Probleme im ersten Saisondrittel haben George Russell und Lewis Hamilton zusammen 13 Podiumsplätze geholt. Zuletzt stand Russell auch in Italien als Dritter wieder auf dem Podest.
„Wir hatten einige gute und einige weniger gute Rennen“, bilanziert der Technikchef, „aber ich denke, was wirklich ermutigend ist, ist das Verständnis, das aus der Simulations- und Windkanal-Arbeit kommt, die wir machen. Dadurch können wir herausfinden, warum unsere Leistung auf und ab geht, was wir brauchen, um wieder ganz vorne mitzumischen, und was wir über den Winter tun müssen.“
Gelingt der Truppe von Toto Wolff 2022 noch ein Sieg?

Nachdem Lewis Hamilton in Monza von Startplatz 19 immerhin auf Rang fünf vorfahren konnte, hofft Elliott, dass der kurvige Kurs in Singapur (2. Oktober) genau wie die Strecken in Ungarn und Holland dem Silberpfeil wieder stärker entgegenkommen. Zur Erinnerung: Am Hungaroring stand George Russell auf der Pole, in Zandvoort kämpften beide Mercedes um den Sieg.
Elliott: „Ich denke, dass Singapur ein bisschen mehr wie Budapest und Zandvoort sein wird. Es ist eine holprige Strecke, die uns vor Herausforderungen stellen wird, aber die Art der Kurven wird etwas besser für unser Auto sein.“
Kurios: In der Dauersieger-Ära der Silberpfeile war Singapur stets die Achillesferse des Autos. Jetzt soll der Marina Bay Circuit also ein weiteres Erfolgserlebnis bringen.

Von

Bianca Garloff