Jahrelang war er der Dominator der Formel 1 – jetzt findet sich Lewis Hamilton (38) plötzlich in einer für ihn ungewohnten Rolle wieder. Jetzt ist er der Jäger, der mit den Tücken seines fahrbaren Untersatzes kämpft.
„Ich habe definitiv noch nie so ein schnelles Auto gesehen. Selbst als wir schnell waren, waren wir nicht so schnell“, konstatiert der Brite nach dem GP Saudi-Arabien, wo ihn Max Verstappen auf der Geraden mit geöffnetem DRS-Flügel gefühlt einfach stehen ließ. „Das ist das schnellste Auto, das ich im Vergleich zum Rest gesehen habe. Ich weiß nicht, warum oder wie, aber er kam mit einer enormen Geschwindigkeit an mir vorbei und ich habe mir nicht einmal die Mühe gemacht, ihn zu blockieren, weil der Geschwindigkeitsunterschied so groß war.“
Ganz unrecht hat Hamilton tatsächlich nicht. Der Twitter-Kanal TF1 Show hat die durchschnittliche Rundenzeit der ersten zwei Rennen in den letzten Jahren extremer Dominanz errechnet und verglichen. Demnach ist Red Bull in diesem Jahr bisher im Schnitt 0,6 Sekunden pro Runde schneller gewesen. So groß war der Mercedes-Vorsprung nie. 2014 – zu Beginn der Hybridära – betrug er 0,55 Sekunden, 2015 0,4 Sekunden, 2016 nur noch 0,1 Sekunden.
Besonders Lewis Hamilton hat mit dem W14 zu kämpfen.
Bild: LAT / Mercedes

Doch Hamilton hat auch noch ein persönliches Problem: Er war nun schon in zwei von zwei Qualifyings langsamer als Teamkollege George Russell. Mehr noch: Seine Erklärung erinnert an Sebastian Vettel und dessen fehlendem Gefühl fürs Auto in seinen letzten Ferrari-Jahren.
„Ich hatte an diesem Wochenende nicht das richtige Setup“, erklärt Hamilton nach dem Rennen in Jeddah. „Deshalb hatte ich kein Vertrauen ins Auto. George konnte es einfach ganz anders fahren als ich.“
Der siebenmalige Weltmeister ohne Gefühl für seinen Mercedes? „Das liegt zum größten Teil an mir“, räumt er ein, „aber durch mein Set-up ist das Auto in schnellen Kurven etwas instabil. Es besitzt also Performance, aber ich fühle mich mit dem Auto einfach nicht verbunden. Egal was ich mache und was ich ändere: Ich bekomme einfach kein Vertrauen. Ich bin einfach ein bisschen verloren.“
Eine Aussage, die seine Kritiker auf den Plan ruft. Denn die hatten wie bei Sebastian Vettel schon immer gemutmaßt, dass Hamilton zwar aus einem perfekt abgestimmten Rennwagen mehr rausholen kann als die Konkurrenz, Probleme aber nicht umfahren kann.
Abschreiben sollte man den Briten indes nicht vorschnell. „Sie (Russell und Hamilton; d. Red.) sind unterschiedliche Fahrer und brauchen ein Auto mit einem bestimmten Fahrverhalten, um schnell fahren zu können“, nimmt Mercedes-Teamchef Toto Wolff Hamilton in Schutz. „Lewis hat in dieser Saison noch zu keinem Zeitpunkt jenes Feedback vom Auto gespürt, das es ihm erlaubt, richtig ans Limit zu gehen.“
Der Wiener sieht die Verantwortung bei Mercedes: „Wenn du ein Auto hast, zu dem dir das Vertrauen fehlt, dann kannst du in den Kurven nicht pushen. Das ist das, was wir im Qualifying gesehen haben. George kann da einfach besser drumherum fahren und hat im ersten Sektor mehr Vertrauen ins Auto. Es liegt an uns, beiden ein Auto zu geben, mit dem sie nach vorn fahren können.“