Formel 1: Bilder vom Russland GP

Formel 1: Mercedes opfert Bottas

Stallregie überschattet Doppelsieg

Valtteri Bottas muss Lewis Hamilton in Russland den Sieg schenken. Trotz Doppelsieg ist die Stimmung bei Mercedes nach dem Rennen im Keller.
Erinnern Sie sich an den GP in Österreich 2002. Der Funkspruch von Ferrari-Teamchef Jean Todt „Rubens, let Michael pass for the championship“ ist bis heute legendär. Rubens Barrichello ließ Michael Schumacher damals kurz vorm Zielstrich vorbei. Der Deutsche gewann unverdient, holte den Brasilianer mit schlechtem Gewissen auf die oberste Stufe des Podests und übergab ihm den Siegerpokal.

Enttäuschung: Bottas will den Siegerpokal nicht mehr

Die gleiche Szene gab's heute, 16 Jahre später in Russland. Die Protagonisten trugen diesmal Silber: Sieger Lewis Hamilton und der Zweitplatzierte Valtteri Bottas. Mit einem Unterschied: Bottas ist so enttäuscht, dass er die Siegertrophäe ablehnt. „Ich weiß, ich hätte dieses Wochenende gewonnen. Ich bin der Sieger, auch wenn ich die Trophäe nicht habe. Aber die ist nur ein Stück Metall“, sagt der Finne.
Mercedes holt in Sotschi einen überlegenen Doppelsieg und baut Hamiltons Führung in der WM auf 50 Punkte aus. Trotzdem hängt der Haussegen schief im silbernen Lager.
Schuld ist eine erstmals in diesem Jahr eindeutig exekutierte Stallorder. In Runde 25 muss Bottas Hamilton passieren lassen. Mercedes begründet das am Funk gegenüber Bottas mit einer Blase auf Hamiltons Reifen, die den Doppelsieg und Hamiltons Position gegenüber dem von hinten heranstürmenden WM-Rivalen Vettel gefährdet.

Funkspruch in Runde 25: Bottas muss bremsen

Bottas spielt den braven Soldaten, macht Platz und ermöglicht seinem Teamkollegen so freie Fahrt inklusive sicherem Geleitschutz. Doch selbst als beide Mercedes-Stars kurz vor Schluss ungefährdet in Führung liegen und Bottas höflich nach dem Sieg fragt, darf er nicht wieder vorbei. „Darüber sprechen wir später“, bekommt er als Antwort.
„Für mich ist die Faktenlage unstrittig“, analysiert Experte Timo Glock bei RTL. „Es geht um die WM und sieben Punkte für Hamilton. Ich verstehe die Entscheidung.“
Nicht zu verstehen: Warum Mercedes verbal während und nach dem Rennen so herumrudert. Wenn Stallorder, warum dann nicht fair und offen kommuniziert?
Stattdessen sagt Sportchef Toto Wolff: „Wenn Lewis die Blase nicht gehabt hätte, hätten wir Valtteri gewinnen lassen.“ Gegenfrage: Warum durfte er am Rennende dann nicht einfach wieder vorbei?

Skeptisch checkt Bottas im Ziel Hamiltons Hinterreifen

WM-Leader Lewis Hamilton: „Das ist nicht das, was ich wollte. Als mir das Team am Funk gesagt hat, Valtteri lässt mich durch, habe ich ihnen geantwortet: 'Sagt ihm, er soll einfach schneller fahren.' Als ich ihn überholt hab, hat sich das nicht gut angefühlt. Am Ende habe ich auf eine Meldung gewartet. Mir war dann aber klar, dass das Team wollte, dass es so ausgeht. Nie in meinem Leben wollte ich so gewinnen.“ Gegenfrage: Warum gibt er Bottas dann nicht auf eigene Verantwortung den Sieg zurück?
Klar: Weil die WM am Ende wichtiger ist als eine gut gelaunte Nummer zwei. Das verstehen alle Fans und alle Experten. Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem, auch bei Bottas. Weil auch ihm gegenüber nicht mit offenen Karten gespielt wurde.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.