Er hat Michael Schumachers gesamte Karriere begleitet: Formel-1-Sportchef Ross Brawn (67) war Technikchef, als Schumacher bei Benetton seine ersten zwei WM-Titel holte. Er folgte ihm zu Ferrari und zeichnete für fünf weitere Weltmeisterschaften des Kerpeners mitverantwortlich. Als sich Schumi Ende 2006 erstmals aus der Formel 1 zurückzog, nahm auch Brawn eine Auszeit. 2010 holte der Brite den siebenmaligen Champion dann als Teamchef zu Mercedes.
Doch aus Fan-Sicht endete Schumachers Comeback enttäuschend: Nur einen Podestplatz konnte der Superstar von einst einfahren. Ende 2013 verabschiedete er sich endgültig aus der Formel 1, ohne an seine Erfolge anknüpfen zu können.
Doch rückblickend lobt Brawn Schumacher für dessen Mercedes-Jahre.
Ross Brawn, Dr. Dieter Zetsche, Nico Rosberg, Michael Schumacher, Norbert Haug und Nick Fry bei der Vorstellung des Formel 1-Autos von Mercedes 2010.

„Das wird unterschätzt“, antwortet der F1-Sportchef bei F1-Insider.com auf die Frage, wie gut Schumacher damals als Über-40-Jähriger war. „Er war immer noch sauschnell. Das bewies er 2012 mit der Pole Position in Monaco. Die kannst du nicht holen, wenn du nicht immer noch diese spezielle Fähigkeit hast.“
Brawn sieht sogar Parallelen zu Lewis Hamilton, der sich derzeit bei Mercedes auch schwerer tut als gewohnt. „Ähnlich wie Lewis mit George Russell hatte Michael mit Nico Rosberg einen jungen Teamkollegen, der wahnsinnig gut war“, betont er. „Auch Nico wurde damals unterschätzt. Alle dachten, er sei nur zweite Wahl, aber er war ein harter Hund, sehr ehrgeizig und wurde später gegen Lewis sogar Weltmeister.“
Mittlerweile könne man Hamiltons Situation tatsächlich sogar mit der von Michael Schumacher im Jahr 2010 vergleichen, so Brawn: „Als Fahrer musst du dich immer entscheiden, ob du Teil der Lösung oder Teil des Problems sein willst. Michael definierte seine Rolle damals neu, war so ein Teil der Lösung und hat geholfen, das Team aufzubauen, das später acht Konstrukteurs-Titel in Folge holte. Er hat sich sozusagen für die Zukunft der Mannschaft geopfert und hatte entscheidenden Anteil am Fundament des Erfolgs.“
Das heiße aber nicht, dass Hamiltons Erfolge nun vorbei sind. „Lewis wird wiederkommen, da bin ich überzeugt“, betont der Ex-Mercedes-Teamchef. „Genau wie sein Team. Ich bin der Meinung, dass Schwächephasen, die man überwinden muss, einen noch stärker machen.“

Von

Bianca Garloff