Bitterer Samstag für Mick Schumacher in Le Castellet: Nach zuletzt zwei starken Rennen und zweimal Punkten in Silverstone und Spielberg setzt es für den Haas-Piloten im Qualifying zum Frankreich GP einen Rückschlag. Grund: Schumachers schnellste Runde in Q1 wird wegen Überfahren der Streckenlimits von der Rennleitung gestrichen.
Dabei hätte seine Zeit von 1:33.114 Minuten locker zum Einzug in die nächste Runde gereicht. Nach der Streichung steht aber nur die zuvor von Schumacher erzielte Marke von 1:33.701 Minuten zu Buche. Diese reicht lediglich für Rang 19: Das Aus bereits im ersten Quali-Abschnitt.
Die TV-Zeitlupe belegt danach, dass Mick in Kurve drei innen über die Kerbs abkürzt und sich mit allen vier Rädern auf der falschen Seite der weißen Linie befindet. Als ihm sein Renningenieur die schlechte Nachricht der Rennleitung mitteilt, kann Schumi Jr. es zunächst nicht glauben: "Wo? Kurve drei? Innen etwa?", funkt er aus dem Cockpit.
"Ich glaube, Mick war gar nicht bewusst, dass man auch innen auf die Tracklimits achten muss. Deshalb war er am Funk auch so überrascht", kommentiert Ex-Weltmeister Nico Rosberg bei Sky.
Im Qualifying zum Frankreich GP scheidet der Haas-Pilot schon in Q1 aus, weil ihm wegen der Streckenlimits seine Zeit gestrichen wird.

Im Interview nach dem Qualifying erklärt Schumacher: "Von unserem Blickwinkel sieht es nicht so aus, als wenn wir rausfahren, aber die Streckenkameras zeigen das wohl. Dann gibt es auch keinen Grund zu diskutieren."
Bei aller Einsicht, der Ärger ist natürlich trotzdem groß: "Es ist einfach sehr schade. Ich dachte, Kurve drei ist ok, denn da steht ein Poller. Wenn man den nicht berührt, dachte ich, dass es in Ordnung ist", bestätigt der 23-Jährige Rosbergs These.
Auch Teamchef Günther Steiner ist nicht begeistert: "Mick dachte, er war drin, deswegen kam es natürlich überraschend für ihn. Das Enttäuschende ist, dass wir hier ein richtig gutes Auto haben. Das hat Kevin (Magnussen; d. Red) gezeigt, der selbst mit gebrauchten Reifen eine fantastische Runde gefahren ist."
Schumis Teamkollege schafft es nicht nur in Q2, der Däne zieht sogar ins Top-10-Shootout ein, setzt dort dann aber keine Rundenzeit mehr, weil er wegen Motorwechsel und der damit verbundenen Strafe in der Startaufstellung ohnehin auf den letzten Platz zurückversetzt wird.
Beide Haas müssen das Feld am Sonntag jetzt von hinten aufrollen. Teamchef Steiner hofft trotzdem: "Wenn wir das Auto wieder in das gleiche Performance-Fenster bekommen, haben wir Chancen auf Punkte." Denn vor allem auf den Geraden ist der Haas in Frankreich pfeilschnell, nur die Red Bulls liegen beim Top-Speed noch vor dem US-Team.
Auch Schumacher weiß mit Blick aufs Rennen: "Überholen ist nicht so schwer, mit DRS kann man hier vorbei fahren. Also mal sehen, was hier morgen noch möglich ist."
Bei den Streckenlimits hat der Deutsche im Rennen dann auch etwas mehr Puffer: Eine Strafe spricht die Rennleitung normalerweise erst beim dritten Vergehen und nach zwei Verwarnungen aus. Im Qualifying gibt es aber keinen Spielraum, wie Schumi Jr. am eigenen Leib erfahren muss.

Von

Frederik Hackbarth