Letzter Platz für Mick Schumacher im Qualifying zum Italien GP. Bei dieser Vorbereitung allerdings kein Wunder: Von drei möglichen Trainingsstunden in Monza kommt der Deutsche vorm Kampf um die Startplätze am Samstag gerade mal auf 37 Minuten Fahrzeit und umgerechnet 17 Runden.
Im ersten Training lässt sein Team lieber Ferrari-Testfahrer und Lokalmatador Antonio Giovinazzi üben, in der zweiten Session am Freitag rollt Schumacher nach nicht mal einer halben Stunde mit einem Defekt an der Steuerelektronik des Motors aus. Kurz vorm Abschlusstraining entdecken die Mechaniker dann einen Schaden an der Kupplung, müssen diese kurzfristig wechseln. Als Schumacher auf die Bahn geht, hat er noch neun Minuten Trainingszeit.
Wenn er denn fährt, dann fährt der 23-Jährige aktuell auch um seine Zukunft in der Formel 1. Ob diese beim Haas-Team liegt, steht aktuell genauso in den Sternen wie die Frage, ob ein Verbleib beim US-Rennstall angesichts der jüngsten Pannenserie überhaupt der richtige nächste Schritt ist für den jungen Schumi. Denn nach starkem Saisonstart taumelt Haas wieder Richtung Ende des Feldes, auf den langen Geraden in Monza ist der Haas VF-22 schlichtweg nicht konkurrenzfähig.
Katastrophales Monza-Wochenende bisher für Mick Schumacher.

Wie passend ist es da, dass sich neben den deutschen Herstellern (Audi ab 2026 und Mercedes; AUTO BILD berichtete) noch ein weiteres Team ernsthaft für Schumacher interessiert: Williams-Teamchef Jost Capito flirtet am Samstag am Sky-Mikro jedenfalls ganz unverhohlen mit Schumacher: „Ich glaube, der Mick ist sehr schnell, ist ein guter Typ und müsste auf jeder Liste stehen, von den Teams, die noch einen Sitz freihaben“, sagt der Deutsche.
In Williams' Fall trifft das sogar zu: Nur Alex Albon, der in Monza mit einer Blinddarmentzündung ausfällt und kurzfristig durch Nyck de Vries ersetzt wird, ist beim Traditionsrennstall aus Grove für 2023 schon bestätigt. Der zweite Stammfahrer Nicholas Latifi bringt seit geraumer Zeit dürftige Leistungen. Ihm droht die Ablösung - trotz einer stattlichen Mitgift von über 20 Millionen US-Dollar pro Jahr.
Fest steht mittlerweile: Die Zukunft des Sohns von Michael Schumacher sieht rosiger aus, als manche vor der Sommerpause wahrhaben wollten. AUTO BILD weiß: Mercedes kann sich vorstellen, Mick 2023 eine Rolle als Ersatzfahrer anzubieten, um ihn als Nachfolger von Lewis Hamilton aufzubauen. Wie passend, dass auch Williams mit Mercedes-Motoren fährt. Gut möglich, dass Schumacher bald die Qual der Wahl hat.
Kurios auch: Blickt man auf Haas' aktuelle Form, wäre ein Wechsel zu Williams nicht mal ein Rückschritt für Schumacher: Für das US-Team setzt es am Samstag das dritte Doppel-Aus in Q1 in dieser Saison. Schlimmer noch: Teamkollege Kevin Magnussen wird auch nur 19. und Vorletzter – obwohl die Haas-Piloten trotz eigener Rückversetzungen (für Motor- und Getriebewechsel) durch noch höhere Grid-Strafen gegen Carlos Sainz, Lewis Hamilton und Yuki Tsunoda immerhin von den Plätzen 16 und 17 starten dürfen.
Kein Wunder, dass Haas-Teamchef Günther Steiner nach dem Qualifying schlechte Laune hat: „Es gibt heute wirklich nicht viel zu sagen“, erklärt der Österreicher. Schumacher verrät mit Blick aufs Sportliche und seinen kapitalen Verbremser vor Kurve eins indes: „Wir haben sehr wenige Runden gedreht, ich denke, das ist der Hauptgrund warum unser Wochenende beeinflusst wurde. Diese Dinge passieren eben. Es ist niemands Schuld. Am Ende gewinnen und verlieren wir zusammen.“
Trotz positiver Einstellung; für das Rennen weiß der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher trotzdem nicht so recht, was er zu erwarten hat: „Ich habe keine Rennsimulation gemacht, also wird es ein bisschen eine Improvisation. Aber vor uns gibt es ein paar Autos, die vielleicht in unser Fenster fallen könnten.“
Sollte ein Williams dabei sein, kann sich Schumacher den ja schon mal ganz genau anschauen...

Vettel: "Diese Tage werde ich nicht vermissen"

Sebastian Vettel scheitert bereits in Q1.

Mick Schumacher wird Letzter. Und auch für den anderen Deutschen im Feld läuft es am Samstag in Monza schlecht. Sebastian Vettels dunkle Qualifying-Serie geht weiter: Bereits das siebte Mal bei den letzten acht Versuchen scheitert der Aston-Martin-Pilot schon in Q1.
Kein Wunder, dass Vettel, der seine Karriere mit Saisonende beendet, danach bekennt: „Ich werde diese Tage nicht vermissen, wo man Q1 ausscheidet und weiß, man könnte viel weiter vorne sein.“
Dass es auch am Samstag so ist, hat laut Vettel mehrere Gründe: „Wir hatten nur eine Runde, weil wir davor (zu Beginn des Qualifyings, d. Red.) ein Problem mit dem Auto hatten. Eine der Kühlkiemen hat sich gelockert und wenn die dann eines der seitlichen Luftleitbleche abreißt, ist das gar nicht gut, deswegen sind wir reingekommen.“
Für Vettel ein zusätzlicher Rhythmusbrecher mit einem Auto, das „ohnehin schon schwer zu kontrollieren“ ist. „Natürlich ist man enttäuscht, denn es war ja knapp und ging nur um paar Hundertstel (für den Q2-Einzug; d. Red.). Aber viel weiter vorne wäre realistisch gesehen schwer geworden, denn wir sind einfach zu langsam“, sagt Vettel. „Kein Speed in den Kurven, kein Speed auf den Geraden: Das ist jetzt nicht die beste Kombination.“
Wenig zuversichtlich ist der Deutsche, der durch die vielen Strafen der Konkurrenz immerhin als Elfter losfährt, deshalb auch mit Blick auf den Sonntag: „Ich muss ehrlich sagen: Ich denke es wird ein schweres Rennen. Dieses Wochenende war unser Short- und unser Longrun eher schwach. Selbst wenn wir jetzt ein paar Positionen geschenkt bekommen, sind die anderen schneller - und das wird auch morgen so sein.“

Von

Frederik Hackbarth
Bianca Garloff