Der Fall des Sergio Perez spaltet selbst hartgesottene Sky-Experten. Während Timo Glock glaubt, dass der Mexikaner sein Cockpit auch 2024 behält, ist Ralf Schumacher sicher: Perez wird 2024 nicht mehr für Red Bull fahren.
Fest steht: Die Ereignisse in Runde eins beim Großen Preis von Mexiko spielen eher Ralf Schumacher in die Karten. Denn nach nur 16 Sekunden war der Traum vom Heimsieg oder zumindest einem Podium vor den heimischen Fans ausgeträumt. Von Startplatz fünf hatte sich der Mittelamerikaner zwar bravourös nach vorne neben Teamkollege Verstappen und Ferrari-Star Charles Leclerc gekämpft, doch dann bog er zu eng in die erste Kurve, kollidierte mit Leclerc und wurde von dessen linkem Vorderrad ausgehebelt.
Perez schleppte seinen waidwunden Red Bull noch an die Box – doch dort war Schluss, und Perez untröstlich: "Ich hatte einen riesigen Start, die Lücke war da. Ehrlich gesagt dachte ich, dass ich einen Podiumsplatz hätte holen können. Ich hatte die Chance, in Führung zu gehen und habe es nicht geschafft. Ich hatte nicht erwartet, dass Charles in der Mitte so wenig Platz hat und so spät reagiert. Für drei Autos war da kein Platz. Es war ein Rennunfall, sowas passiert. Ich sollte es nicht sagen, aber ich hätte vielleicht zurückstecken und es nach Hause fahren sollen."
Sergio Perez fährt sich immer weiter ins Abseits.
Bild: Red Bull Content Pool

Damit fasst Perez treffend zusammen: Er fuhr übermotiviert und zu emotional. Eigentlich ist das kein Wunder. Seit Wochen halten sich Gerüchte, Red Bull werde seinen Vertrag auflösen, wenn er Rang zwei in der WM verpasst. Die Drohkulisse wird immer realistischer. Nach seinem zweiten Platz im Autodromo von Mexiko City hat Mercedes-Pilot Lewis Hamilton nur noch 20 Punkte Rückstand – bei noch drei zu fahrenden Rennen.
Red Bulls Dementi klingt denn auch nur teilweise so, als wolle man in jedem Fall an Perez festhalten. "So einfach ist das nicht“, räumt Teamchef Christian Horner angesprochen auf die Jobgarantie durch WM-Rang zwei ein. "Man muss auf die Umstände schauen. Er hat mit uns eine Vereinbarung für nächstes Jahr. Und unsere Absicht ist es, dass er 2024 im Auto sitzt."
Parallel rast Daniel Ricciardo im Alpha Tauri auf Startplatz vier, im Rennen auf Platz sieben und Red Bull-Chefberater Helmut Marko frohlockt bereits vielsagend: „Das war ein ganz wichtiges Zeichen für seine Zukunft.“ Dabei hat der Australier doch längst einen Vertrag im B-Team für 2024…
Sergio Perez scheint sein Cockpit weiter sicher zu haben.
Bild: Red Bull Content Pool

Bezeichnend ist es auch für die Situation rund um Sergio Perez, dass der sonst immer so strenge Doktor plötzlich Milde walten lässt. "Das war leider ein Rennunfall – sowas kann passieren", streichelt er öffentlich die Seele seines Problempiloten. "Er hat seinen Vertrag für 2024 und das wird auch passieren. Es war bis zur ersten Runde eine super Vorstellung und ich bin überzeugt davon, dass er auch aufs Podium gefahren wäre."
Die Wahrheit liegt nach Informationen von AUTO BILD in der Mitte. Demnach könnte im ersten Saisondrittel 2024 eine Vertragsklausel greifen, die Red Bull bei entsprechend mäßigen Ergebnissen einen vorzeitige Entlassung des Mexikaners ohne Abfindung ermöglicht. Deadline hierfür soll der GP von Monaco Ende Mai sein.
Bis dahin ist weiter viel politisches Fingerspitzengefühl auf allen Seiten gefragt. So wie bei Checos Vater Antonio Perez, einem mexikanischen Lokalpolitiker, der es bei seinem Plädoyer indes maßlos übertrieb. Marko sei der beste Förderer, den es für seinen Sohn geben könnte, Max Verstappen der beste Teamkollege, den er je hatte – und: Perez jr. werde noch zehn Jahre für Red Bull fahren und dann auch zumindest einmal Weltmeister werden.
Immerhin: Daran haben sowohl Timo Glock als auch Ralf Schumacher berechtigte Zweifel.