Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg wünscht sich endlich wieder eine Frau in der Formel 1. „Wir müssen die Bremsen der Gleichberechtigung endlich lösen, damit Rennfahrerinnen es bis in die Königsklasse schaffen können“, schreibt er in einem Gastkommentar in der WELT AM SONNTAG.
1992 fuhr mit Giovanna Amati die letzte Dame in der Königsklasse. Das ist zu lange her, meint Rosberg.
Er hatte seinen Wake-up-Moment beim vergangenen Rennen in der Extreme E, wo er als Teambesitzer am Start ist. Und wo sich per Reglement je ein Mann und eine Frau ein Auto teilen.
„Bislang stand meistens unser männlicher Pilot, der amtierende Extreme-E-Champion und vierfache Rallycrossmeister Johan Kristoffersson, im Mittelpunkt“, so Rosberg. „Auf Sardinien aber fuhr die 29-jährige Mikaela (Ahlin-Kottulinsky; d. Red.) nicht nur mit ihrem Teamkollegen auf Augenhöhe. Im Halbfinale lieferte sie sich erst mit Timmy Hansen – immerhin auch ein Rallycross-Weltmeister – ein Rad-an-Rad-Duell, das seinesgleichen sucht. Im Supersektor putzte sie danach kurzerhand den neunfachen Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb weg … Damit ist Mikaela in meinen Augen die derzeit beste Rennfahrerin der Welt.“
In der Extreme E teilen sich per Reglement je ein Mann und eine Frau ein Auto.

Und sie zeigt, dass Frauen es im Rennwagen mit den Männern aufnehmen können. Für den ehemaligen Mercedes-Star ein guter Grund, mehr Unterstützung für das weibliche Geschlecht im Rennsport zu fordern.
Rosberg: „Wir müssen Frauen im Motorsport stärker fördern, so wie wir es in der Extreme E tun. Und zwar bis in die Formel 1! Dafür brauchen wir finanzielle, aber auch ideelle Unterstützung. Von Verbänden, Vereinen, Rennserien, Sponsoren, Herstellern und Fans. Damit Rennsportlerinnen von früh an unterstützt werden und es schaffen, Geldgeber und Medien auf sich aufmerksam zu machen. Aber vor allem: Damit sie an sich glauben und den Kampf nicht allein kämpfen müssen. Eltern von talentierten Mädchen müssen wissen, dass es sich lohnt, in ihr Kind zu investieren, weil die Bahn nach ganz oben frei ist.“
Dabei glaubt der Champion von 2016, dass Mädchen genauso schnell sein können wir Jungs. „Ich sehe nichts, was dagegen spricht“, schreibt er. „Im Motorsport spielt die angebliche körperliche Überlegenheit von Männern genau wie im Reit- oder Segelsport kaum eine Rolle. Wir haben das Rennauto, das die Kraft auf den Boden bringt. Der Rest ist Talent, Erfahrung, Technik und vor allem mentale Stärke. Kleine und zierliche Rennfahrer haben im Übrigen großen und schweren Piloten gegenüber sogar einen Vorteil. Und als Vater zweier selbstbewusster Töchter weiß ich: Frauen haben nicht nur auf der Rennstrecke genauso viel Mut wie Männer.“
Mikaela Ahlin-Kottulinsky zeigt, dass Frauen es im Rennwagen mit den Männern aufnehmen können.

Das Problem sei ein anderes: Nämlich dass sich zu wenig junge Frauen überhaupt erst ins Kart wagen. „Wenn jedes Jahr 1.000 Jungs Kart fahren und nur 15 Mädchen, dann ist es natürlich deutlich schwieriger, dass sich große weibliche Talente herauskristallisieren“, weiß der Deutsche. „Fest steht aber auch: In der Extreme E funktioniert die Gleichberechtigung nur deshalb, weil die Regeln jeweils eine Frau im Auto verpflichtend vorschreiben. Das ist ein drastischer regulatorischer Schritt, funktioniert aber sensationell, denn er zwingt die Teams zur Suche nach den besten Pilotinnen und gibt ihnen im Kampf um die Meisterschaft den Rückhalt, den sie brauchen, um sich zu entwickeln.“
Braucht die Formel 1 also eine Quote, um bei der Gleichberechtigung endlich Fortschritte zu machen?
Rosberg: „Eine finale Lösung habe ich da nicht parat, aber eines habe ich in der Formel 1 gelernt: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und es gibt für alles eine Lösung!“
Zum Abschluss fordert er: „Geben wir den Mädchen endlich eine Chance. Die Zeit ist reif.“

Von

Bianca Garloff