Formel 1: Perez-Entscheidung naht
Shootout um zweiten Red Bull

Bild: Red Bull Content Pool
- Bianca Garloff
- Ralf Bach
Die Szenen nach dem Großen Preis von Belgien sprachen Bände. Der Vater von Sergio Perez (34), Antonio, in seinem Heimatland Mexiko ein Politiker, saß im Red Bull-Motorhome, als hätte er gerade eine Wahl verloren. Einsam kauerte er an einem Tisch, während er auf seinen Sohn wartete.
Der Mann, der in Fernsehinterviews schon mal in Kameras gesungen hat und dazu tanzte, war ein Schatten seiner selbst. Wahrscheinlich wusste er schon, dass die Stunde für seinen Sohn bei Red Bull geschlagen hat.
Der GP von Belgien in Spa war der letzte Test für ihn. Auf der anspruchsvollen Ardennenachterbahn wollten die Red Bull-Bosse sehen, ob sie Perez auch noch in der zweiten Saisonhälfte, die Ende August in Zandvoort beginnt, ihren Paraderenner anvertrauen können, um das drängelnde McLaren-Team im Kampf um die Konstrukteurskrone weiterhin hinter sich halten zu können.

Seit 2021 ist Perez bei Red Bull
Bild: Red Bull Content Pool
Perez kann eigentlich nur durchgefallen sein, das scheint nach seinem siebten Platz so gut wie sicher. Nur noch 42 Punkte beträgt Red Bulls Vorsprung auf das bärenstarke McLaren-Team, das mit Lando Norris und Oscar Piastri zwei Fahrer auf Augenhöhe hat, die beide im Gegensatz zu Perez aus eigener Kraft regelmäßig auch auf die oberste Stufe des Podiums fahren können.
Deshalb muss Red Bull die Reißleine ziehen. Chefberater Helmut Marko (81) deutete Perez‘ Ende bei Red Bull nach dem zum wiederholten Male enttäuschenden Auftritts seines Mexikaners im Gespräch mit AUTO BILD auch an. "Das war nicht das Rennen, was wir von ihm erwartet haben", kritisiert der Jurist aus Graz. "Wenn du als Zweiter losfährst und dann als Siebter ins Ziel kommst, hast du nicht viel richtig gemacht."
Marko kritisiert Perez
Noch mehr hob er bei Sky den Zeigefinger: „Vor allem im letzten Stint ist er total abgefallen, ist teilweise 48er-Zeiten gefahren. Das, was im Qualifying so positiv aussah, hat sich im Rennen leider nicht bewahrheitet.“
AUTO BILD weiß: Schon am Montag wird es ein Meeting zwischen Teamchef Christian Horner, Helmut Marko und anderen Entscheidungsträgern in der Fabrik in Milton Keynes geben, wo der Daumen über Perez gesenkt oder doch noch ein weiteres Mal gehoben wird.

Wird Verstappen nach der Sommerpause mit einem anderen Teamkollegen auf Punktejagd gehen?
Bild: Red Bull Content Pool
Parallel wird es ab Mittwoch wird in Imola ein Shootout zwischen dem Australier Daniel Ricciardo (35) und dem jungen Neuseeländer Liam Lawson (22) geben. Die beiden werden sich in einem Alpha Tauri von 2022 duellieren, danach werden schnellste Runden und die Durchschnittszeiten der Rennsimulationen verglichen und ausgewertet, schließlich wird entschieden.
Ricciardo, der in Spa als Zehnter einen Punkt ergattern konnte, bestätigt den Test gegenüber dieser Website und gibt zu: "Es geht um sehr viel dabei für mich, aber ich bin guter Dinge."
Lawson oder Ricciardo im Red Bull?
Geplant ist, dass der Sieger des Duells die besten Chancen hat, Nachfolger von Perez bei Red Bull zu werden. Der Verlierer dürfte die Saison im Nachwuchsteam Racing Bulls zu Ende fahren.
Kurios: Sein Debütrennen feierte Lawson vor einem Jahr auch in Zandvoort, als er bei Alpha Tauri kurzfristig ausgerechnet Ricciardo ersetzen musste, der sich bei einem Unfall im Training die Hand brach und drei Rennen pausieren musste.
Lawson hinterließ als Ersatzmann zwar einen guten Eindruck, musste sein Cockpit dann aber an den wieder genesenen Ricciardo abtreten. Seitdem hat er geduldig auf eine neue Chance gewartet. Die kommt jetzt am Mittwoch in Imola.
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