Die Mercedes-Berufung ist zurückgezogen, der WM-Pokal an Max Verstappen (24) verliehen – die schlechte Stimmung weicht zumindest bei Red Bull der Erkenntnis, dass Verstappen Historisches vollbracht hat.
Doch der frischgebackene Weltmeister denkt im Erfolg auch an den Verlierer und würdigt, wie sich Lewis Hamilton (36) angesichts der Niederlage verhalten hat. „Mein ganzes Team und ich waren völlig aus dem Häuschen“, sagt der Red Bull-Star in einem Interview mit einem Sponsor. „Aber natürlich gibt es auch die andere Seite, die enttäuscht und verärgert ist.“
Lewis Hamilton und Max Verstappen nach dem Formel-1-Finale in Abu Dhabi
Doch der Holländer weiß zu schätzen, dass Hamilton ihm auf dem Podium fair gratuliert hat. „Es war schön, dass Lewis sofort zu mir kam und sagte: ,Gut gemacht, Glückwunsch!‘“ Verstappens Antwort: „,Vielen Dank für eine erstaunliche Saison.‘ Denn am Ende des Tages denke ich, dass es eine erstaunliche Saison war, egal, wer gewonnen hat oder Zweiter wurde. Wir haben uns in jedem einzelnen Rennen gegenseitig ans Limit gebracht.“
Auch Hamiltons Vater Anthony hat Vater und Sohn Verstappen beglückwünscht. Jos Verstappen verrät: „Er hat uns direkt vor dem Gang aufs Podium gratuliert, das war wirklich nett. Und auch während der Saison hatte ich einige Gespräche mit ihm über WhatsApp. Sie haben schon sieben Titel gewonnen, deshalb ist es anders als für uns, aber unser Verhältnis war immer von Respekt geprägt.“
Red Bull-Teamchef Christian Horner lobt indes Verstappens Geduld und Durchhaltevermögen im Finale, das lange nicht gut für den Holländer aussah. „Max hat sich einfach geweigert aufzugeben“, betont der Brite. „Er hat nie am Funk gejammert, sich jede Runde ins Zeug gelegt, und plötzlich bot sich ihm eine Chance.“
Nach dem Neustart habe der Niederländer Hamilton aus Horners Sicht überrascht. „Wenn man sich seinen Überholvorgang in Kurve fünf ansieht, glaube ich nicht, dass Lewis das erwartet hat. Er hat sich nicht einmal verteidigt. Ich denke, er hat in Kurve sechs auf Max gewartet, aber der hat ihn überrumpelt. Typisch Verstappen!“
Der wiederum springt nun dem Fahrer zur Seite, der ihm den Angriff auf Hamilton mit seinem Unfall erst ermöglicht hat: Nicholas Latifi. Der Williams-Pilot muss seitdem einen Shitstorm in den sozialen Medien ertragen.
Verstappen: „Es tut mir sehr leid für Nicholas. Der Shitstorm ist sehr unfair. Jeder Fahrer versucht, sein Bestes zu geben. Niemand baut absichtlich einen Unfall.“ Sein Rat an den Kanadier: „Er sollte sein Handy ausschalten und nicht auf die Kritik hören.“
Latifi muss seit seinem Unfall einen Shitstorm in den sozialen Medien ertragen.
Latifi selbst erklärt: „Ich habe mit Mick Schumacher gekämpft. Er hat mich ein wenig von der Straße gedrängt, was dazugehört, aber als ich mit schmutzigen Reifen von der Linie abkam, kämpfte ich in den nächsten Kurven wirklich um Grip.“
Der Grund für den Crash ist damit klar, Absicht ausgeschlossen. „Ich war mir der Situation im Rennen bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst“, bestätigt der Safetycar-Auslöser. „Es ist natürlich nie meine Absicht, das versehentlich zu beeinflussen, aber ich habe einen Fehler gemacht. Ich kann mich nur entschuldigen.“
Bei Verstappen muss er das sicher nicht.

Von

Bianca Garloff