Nach dem WM-Titel ist vor dem WM-Titel. Red Bull hat gerade die erste Weltmeisterschaft seit 2013 gewonnen und schon plant man die Zukunft. Das Credo: Stabilität, Konstanz, Verlässlichkeit. Auch mit Blick auf das neue Motor-Regelwerk ab 2026. „Wir wollen ein solides Team dafür haben“, sagt Red Bull-Motorsportberater Helmut Marko in Servus TV.
Schritt eins: die Vertragsverlängerung mit Teamchef Christian Horner (48). Der Brite wird nun langfristig an Red Bull gebunden – bis 2026. Marko: „Wir stimmen uns gut ab, wir geben die Richtung des Teams vor, und auch die unserer Mitarbeiter. In politischen Fragen sprechen wir in der Regel die gleiche Sprache, und ich glaube, unser Erfolg gibt uns Recht.“
Der Ehemann von Ex-Spice-Girl Geri Halliwell ist seit 2005 Teamchef bei Red Bull und hat auch Sebastian Vettel zu vier WM-Titeln geführt. Horner war selbst Rennfahrer und versuchte anschließend mit einem eigenen Team in der GP2 (Arden) sein Glück. „Ich kannte ihn aus der Formel 3000 und anderen Nachwuchsklassen und wusste um seine Ambitionen und Fähigkeiten“, verrät Marko. „Daraus hat sich nun etwas Großartiges entwickelt.“
Dann kommt der noch wichtigere Satz, den Marko bei Servus TV im Beisein und in Richtung von Max Verstappen spricht: „Er ist ein charismatischer Teamchef, der übrigens noch vor dir seinen Vertrag bis 2026 verlängern will.“
Das Szenario erinnert an Anfang 2011. Damals verlängerte Red Bull kurz nach dem ersten WM-Titel eines gewissen Sebastian Vettels zunächst den Vertrag mit Chef-Techniker Adrian Newey und weiteren wichtigen Ingenieuren bis 2014 – und kurz darauf vorzeitig auch mit Vettel selbst. Noch während der Vorsaisontests 2011 wurde der neue Kontrakt verkündet.
Red Bull will Max Verstappen langfristig binden.
Ganz so weit scheint man mit Verstappen noch nicht zu sein. Der Niederländer wird in Stellvertretung seines Vaters Jos von Raymond Vermeulen gemanagt. Verstappen selbst hatte nach dem Titelgewinn in Abu Dhabi überschwänglich frohlockt: „Können wir das die nächsten zehn bis 15 Jahre so weitermachen?“
Darüber kann Helmut Marko derzeit nur schmunzeln: „Seine Worte sind noch nicht bei seinem eigenen Management angekommen. Wir diskutieren das im Moment.“
Verstappens aktueller Vertrag läuft bis 2023. Doch bei Red Bull ist man sich sicher, das Wunderkind hnoch länger alten zu können. Horner spricht, wie er auch damals schon bei Vettel redete: „Es geht nicht immer nur um Verträge, sondern um Beziehungen. Max kam als Junge ins Team, und er ist zu einem jungen Mann gewachsen. Die Beziehung, die wir teilen, das Vertrauen, das wir einander entgegenbringen, ist mehr wert als jedes Stück Papier.“
Der Brite weiter: „Ich freue mich darauf, noch viele Jahre mit Max Rennen zu fahren, und ich glaube, die besten Jahre liegen noch vor uns.“
Ohne sein Management im Nacken gibt der frischgebackene Weltmeister die Liebeserklärung sogar zurück. „Es fühlt sich wie eine Familie an“, sagt Verstappen. „Ich bin sehr glücklich, wo ich bin. Ich kann ich selbst sein, und das ist wirklich wichtig. Es geht nicht nur um die Formel 1, wir können auch Spaß haben und lachen, was ebenfalls wichtig ist.“
Damit ist klar: Es ist nicht die Frage, ob der Vertrag verlängert wird, sondern zu welchen Konditionen. Derzeit verdient Verstappen geschätzte 16 Millionen Euro. Allein: Beim Gehaltspoker ist auch Red Bull in einer guten Position. Grund: Nach dem Verhalten von Mercedes nach Verstappens Unfall in Silverstone ist das Tischtuch zwischen dem Verstappen-Clan zu Teamchef Toto Wolff zerschnitten. 
Doch der österreichische Getränkehersteller ist ohnehin bekannt dafür, Erfolge wie Verstappens WM-Titel zu honorieren. Die vorzeitige Verlängerung bis 2026 ist deshalb nur eine Frage der Zeit und des Geldes…

Von

Bianca Garloff