Entwickelt sich Max Verstappen (25) zum Formel-1-Egomanen?
Der Red Bull-Star hat seinen zweiten Titel längst in der Tasche. Den Rekord der meisten Siege pro Saison hat er ebenfalls gebrochen. Trotzdem kämpft der Niederländer weiter verbissen um jeden Punkt – und pfeift auf Teamplay.
Im Großen Preis von Sao Paulo (Brasilien) pflügt er sich nach einer frühen Kollision mit Lewis Hamilton durchs Feld zurück in die Top Ten und wird vom Kommandostand an seinem Teamkollegen Sergio Perez vorbei gewinkt. Die Idee dahinter: Auf frischeren Reifen soll er Charles Leclerc angreifen, um dem Ferrari-Piloten die Punkte für Platz fünf streitig zu machen. Grund: Leclerc und Perez kämpfen in der WM um Platz zwei.
Der Deal: Sollte Verstappen Leclerc nicht einholen, bekommt Perez Platz sechs zurück. Doch der Weltmeister spielt da nicht mit. Er bleibt – trotz erneuter Anweisung, den Teamkollegen passieren zu lassen – vorne und rechtfertigt sich schmallippig am Funk: „Ich habe euch das letzte Mal schon gesagt, dass ihr mich um so etwas nicht bitten sollt. Ist das klar? Ich habe meine Gründe und stehe dazu.“
Max Verstappen soll Sergio Perez vorbeilassen, verweigert aber den Stallorder-Befehl.
Bild: Red Bull Content Pool

Allein: So ein Ego-Verhalten dürfte die bisher gute Stimmung im Team gefährden. Sergio Perez hat seinen Teamkollegen noch im Auto verbal abgewatscht: „Danke für Nichts. Das zeigt, wer er wirklich ist.“ Später sagt der Mexikaner am TV-Mikro: „Ich bin ein bisschen enttäuscht nach all dem, was ich für ihn getan habe. Das müssen wir diskutieren.“
Zur Erinnerung: In Abi Dhabi 2021 hat Perez mit seinen aggressiven Blockade-Manövern gegen Lewis Hamilton Verstappens WM-Chance erst möglich gemacht.
Auch Sky-Experte Timo Glock sieht deshalb den Teamfrieden in Gefahr: „Sergio Perez wird sich seine Gedanken machen, ob er Max in Zukunft noch unterstützt. Man darf ja nicht vergessen, was er letztes Jahr für Max getan hat. Es ging hier um Platz sechs. Da kann man seinem Teamkollegen den Punkt schon mal schenken.“
Bei RTL kritisiert Ralf Schumacher: „Das kann Unterstützung im Team kosten. Menschlich und als Payback ist es jedenfalls nicht ganz sauber. (…) Er muss seinen sturen Kopf in so einer Situation mal zurücksetzen.“
Dass bei Red Bull dicke Luft herrscht, ist Red Bull-Motorsportberater Helmut Marko im Gesicht abzulesen: „Wir haben das intern geklärt“, lächelt der Red Bull-Doc die unangenehme Situation weg. „Max wird in Abu Dhabi alles Mögliche unternehmen, damit Checo den zweiten WM-Platz erreichen kann.“ Dann gibt er das Mikro aus der Hand und verabschiedet sich.
Red Bull verweigert die Aussage! Denn auch Verstappen selbst bleibt im TV-Interview einsilbig: „Wir haben zusammen gesessen und ich habe alles erklärt. Wenn er Hilfe braucht in Abu Dhabi, werde ich ihm helfen.“ Mysteriös bleibt die Antwort auf die Frage, ob es im Vorfeld einen Vorfall gegeben habe, der Verstappens Reaktion erklärt. Der Doppel-Champion nickt eifrig, nennt aber keine Details.
Auch Charles Leclerc hatte auf Unterstützung seines Teamkollegen gehofft
Bild: Ferrari

Immerhin: Nicht nur bei Red Bull war der Wunsch des Kämpfers um den Vize-Titel nicht automatisch Befehl. Bei Ferrari hat Charles Leclerc gleich zweimal am Funk um den dritten Platz von Carlos Sainz gebettelt. Doch dem Monegassen machte der Kommandostand einen Strich durch die WM-Rechnung: „Fernando Alonso war zu nah dran“, erklärt Sportdirektor Laurent Mekies. „Das Risiko konnten und wollten wir nicht eingehen.“
Damit kommt es im WM-Finale am kommenden Wochenende zum Showdown um Platz zwei: Leclerc und Perez gehen punktgleich mit 290 Zählern ins Rennen von Abu Dhabi. Vorteil Perez, der auf seinen Red Bull-Edelhelfer Max Verstappen setzen kann. Jedenfalls dann, wenn er der Niederländer doch noch zum Teamplayer wird.