Da hatte sogar Niki Lauda Mitleid. Mit „armer Doktor“ herzte der Mercedes-F1-Aufsichtsrat seinen alten Freund, Red Bull-Sportchef Helmut Marko, nach dem Großen Preis von Aserbaidschan und dem Crash der beiden Red-Bull-Piloten in Runde 40. Lauda weiß, wovon er spricht. Auch der dreimalige Weltmeister musste mehrfach schon Zusammenstöße zwischen seinen Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton erklären.
Red Bull
Bei Red Bull fliegen in Baku die Funken und die Fetzen
Nun hat es auch die Red-Bull-Stars Max Verstappen und Daniel Ricciardo erwischt. Und nun ist es Helmut Marko, der Rede und Antwort stehen muss. Zu einer Schuldzuweisung lässt er sich aber nicht hinreißen. „Das war ein Rennunfall“, sagt der Österreicher zu AUTO BILD MOTORSPORT, „aber einer, der nicht passieren darf.“ Marko erklärt: „Teamorder ist gegen unsere Philosophie, wir lassen die Fahrer immer frei fahren, erwarten aber dass sie Verantwortung übernehmen und haben ihnen das auch klar gesagt.“

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Eine Szenario, das stark an 2010 erinnert. Marko schon wieder positiv zu ABMS: „Damals hatten wir in der Türkei ähnliche Probleme mit Mark Webber und Sebastian Vettel und haben sie auch in Griff bekommen.“ Vettel und Webber trafen sich nach ihrem Crash in Milton Keynes zur Aussprache und mussten sich die Hände schütteln. Allein: Freunde wurden sie danach nicht mehr. Für Marko steht jedenfalls fest: „Ich habe die Verantwortung für 900 Leute. Wir werden uns jetzt etwas einfallen lassen müssen.“
Verstappen
Verstappen und Ricciardo schenken sich gar nichts
Denn es war eine Kollision mit Ansage. Schon vor dem Crash hatten sich beide Red Bulls im Rennen mehrfach berührt. Auch Teamchef Christian Horner ist deshalb entsprechend sauer: „Beide haben zugegeben, dass sie es heute versaut haben. Sie haben sich bei allen im Team entschuldigt. Es gab drei Vorfälle, wo sich die Reifen berührt haben. Wir haben ihnen deshalb schon am Funk schon gesagt, dass sie runterkühlen sollen.“
Runtergekühlt, das sind der Holländer und der Australier aber erst nach dem Grand Prix. Horner verrät. „Wir haben sie daran erinnert, dass sie Teil eines Teams sind und viel Geld kassieren, damit sie für die Interessen des Teams einstehen und nicht für ihre. Beide sind im Moment relativ kleinlaut, das kann man an ihrer Körpersprache sehen.“
Ricciardo
Vermeidbar: Der großen Bullen-Crash in Runde 40
Akustisch hören sich die kleinlauten Rennfahrer so an. Verstappen: „Ich hatte schon viele harte Duelle mit Daniel, die fair waren. Am Ende ist es schade, dass wir zusammengekommen sind. Das ist schlecht fürs Team und sollte nicht passieren.“ Ricciardo: „Ich habe mir das jetzt ein paarmal angeschaut: Im Grunde können wir beide nur dem jeweils anderen sorry sagen. Und dem Team auch.“
Fakt ist aber auch: Verstappen fährt im Duell Zickzack. Das hatte ihm schon 2016 scharfe Kritik der Kollegen eingebracht. Deshalb ist er laut Ex-Pilot und Direktor der Fahrergewerkschaft, Alex Wurz, auch zu 70 Prozent Schuld. Der Österreicher: „Er wechselt mal wieder beim Bremsen die Linie.“
Baku
Frust pur: Die Red-Bull-Stars am Streckenrand
Das stellt auch die Rennleitung fest, die beide Fahrer nach dem Rennen zur Untersuchung anhört. Allerdings verteilen auch die Stewards die Schuld auf beide Schultern. "Beide Fahrer haben zur Kollision beigetragen. Der Fahrer von Auto Nummer 33 (Verstappen) hat zwei Richtungswechsel vollzogen, die jedoch relativ gering waren. Der Fahrer von Auto Nummer 3 (Ricciardo) hat zugegeben, dass er seinen Überholversuch auf der linken Seite zu spät angesetzt hat", heißt es in einem Schreiben der Stewards.
Zwar erhalten beide Piloten eine Verwarnung, von mehr lässt die Rennleitung aber ab - der Crash und das Doppel-Aus für Red Bull sind nach Meinung der Regelhüter Strafe genug.