Es war das nächste ernüchternde Wochenende für Red Bull. Statt Podium, Titelkurs und Dominanz stand für den ehemaligen Dauersieger beim Großen Preis von China nur Platz vier durch Max Verstappen zu Buche – und eine lange Liste an Problemen. Im Mittelpunkt: das Auto, der zweite Fahrer und die Zukunft des Weltmeisters.
Sportlich war es noch das Maximum: Mit einem späten Überholmanöver gegen Charles Leclerc (Ferrari) sicherte sich Verstappen zumindest Platz vier. Doch bis dahin lief wenig zusammen. Der Start missglückt, der Medium-Reifen zu anfällig – erst im zweiten Stint auf dem harten Reifen stimmte die Pace.
Red Bull-Chefberater Helmut Marko bei Sky: „Mit dem ersten Satz Medium haben wir das Rennen verloren. Vielleicht war es auch in Max’ Kopf, dass er die Reifen schonen wollte. Als wir ihn dann reingeholt haben, war die Pace da, aber da war es zu spät. Ohne die verlorenen Plätze am Start wäre ein Podium möglich gewesen.“

Wo wäre Red Bull ohne Verstappen?

Das Polster der Vorsaison ist aufgebraucht, McLaren dominiert, Ferrari gewinnt immerhin den China-Sprint. Red Bull liegt nur noch dank Verstappen auf Platz drei der Konstrukteurs-WM. Marko bestätigt: „Es gibt in Milton Keynes diese Woche ein Meeting, wo besprochen wird, wann und wie wir diesen Rückstand beheben können. Wir sind besorgt, aber wir werfen die Flinte nicht ins Korn.“
Max Verstappen wirkt angefressen – und das bleibt nicht unbemerkt.
Bild: Mark Thompson/Getty Images/Red Bull
Wie F1-Insider.com berichtet, soll das Meeting am Donnerstag stattfinden. Allein: Nicht nur die misstrauischen Denker im Verstappen-Lager stellen sich die Frage: Warum sollen die gleichen Leute, die es im zweiten Halbjahr 2024 nach dem Abgang von Designguru Adrian Newey nicht geschafft haben, plötzlich den Stein der Weisen gefunden haben?
Fest steht: Verstappen wirkt angefressen – und das bleibt nicht unbemerkt. TV-Experte Ralf Schumacher beobachtete nach dem Rennen ein hitziges Gespräch zwischen Marko, Teamchef Christian Horner und Technikchef Pierre Wache: „Da möchte ich jetzt auch nicht dabei sein, was da nachher im Meeting passiert. Max ist ungeduldig – und das auch zurecht.“
Schumacher weiter: „Ich würde mich nicht wundern, wenn da schon Verhandlungen im Hintergrund laufen (er meint Wechselabsichten von Verstappen; d. Red.). Man muss sehen, was nächstes Jahr kommt: ein komplett neues Auto, ein neuer Motor. Und man kriegt nicht mal die aktuelle Kombination von Adrian Newey richtig hin.“

Mercedes-Wechselgerüchte

Die Gerüchte um einen möglichen Wechsel zu Mercedes begleiten Verstappen seit Monaten. Teamchef Toto Wolff will die Spekulationen aber nicht befeuern: „Es gibt keinen Austausch. Die Silly Season beginnt früh, aber wir stehen zu unseren Fahrern. Das ist die Entscheidung mit Kimi und George – und sie liefern sensationell ab.“ Der Wiener weiter: „Die Frage stellt sich (also) heute gar nicht.“
Allein: Laut F1-Insider.com hat Wolff hinter den Kulissen bereits eine Charmeoffensive beim Verstappen-Clan gestartet. Denn in einem sind sich die Protagonisten der automobilen Königsklasse einig: Wenn man Verstappen kriegen kann, sollte es man auch tun. Koste es, was es wolle.
Doch Verstappen und der RB21 sind nicht Red Bulls einzige Baustellen. Der zweite Fahrer Liam Lawson kommt in China nach zwei letzten Plätzen in beiden Qualifyings auch im Rennen über Platz 15 nicht hinaus und steht nach zwei schwachen Wochenenden früh in der Kritik. „Die Formel 1 ist ein Leistungssport“, macht Red-Bull-Chefberater Helmut Marko vor den Kameras lediglich Andeutungen.
Yuki Tsunoda könnte Lawson in Japan ersetzen.
Bild: Getty Images / Red Bull Content Pool

Tsunoda kommt für Lawson

Die Wahrheit aber ist: Das Fallbeil hat sich für Lawson schon gesenkt. Schon beim nächsten Rennen in Japan wird Racing-Bulls-Fahrer Yuki Tsunoda bei seinem Heimrennen Lawson im Red Bull ersetzen. Der Neuseeländer soll im Ringtausch mit dem Japaner zurück im Juniorteam zurück zur Stärke finden.
Verstappen ist allerdings auch damit nicht glücklich. Der Niederländer sieht die Techniker in der Pflicht, einen Rennwagen zu bauen, der nicht nur vom viermaligen Weltmeister am Limit bewegt werden kann. Dazu kommt: Der Einsatz Tsunodas ausgerechnet bei dessen Heimrennen in Japan könnte die nächste vielversprechende Karriere eines Red Bull-Junioren ruinieren.
Fest steht: Das Team aus Milton Keynes steht vor einer entscheidenden Woche. Denn während McLaren Siege sammelt, stellt sich bei Red Bull längst nicht mehr nur die Frage: Was ist mit dem Auto los? Sondern: Was passiert, wenn Max keine Geduld mehr hat? Und danach sieht es gerade aus!