Die neue Nummer 1 gönnt sich auch die Pole Position im Wettbewerb der Autopräsentationen für die Formel-1-Saison 2022. Am Mittwoch, den 9. Februar, stellt Red Bull den RB18 vor – das Auto, mit dem Formel-1-Weltmeister Max Verstappen (24) seinen Titel verteidigen will. Damit sind die Österreicher mit Teamsitz in England die erste Top-Mannschaft, die ihr neues Auto zeigt. Schneller ist nur Mick Schumachers Haas-Team, das bereits am 4. Februar eine Grafik seines Rennwagens zeigt.
Außer dem völlig neuen Design, das den radikalen Regeländerungen geschuldet ist, wartet Red Bull schon jetzt mit einer Besonderheit auf: Erstmals seit 2014 gibt es wieder ein Auto mit der Startnummer 1 im Starterfeld.
Grund: Serienweltmeister Lewis Hamilton (37), der seit 2014 alle Titel mit Ausnahme des WM-Pokals 2016 einfuhr, hat von seinem Recht Gebrauch gemacht, auch als Weltmeister mit seiner persönlichen Startnummer 44 anzutreten. Sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg, der 2016 Weltmeister wurde, trat im gleichen Jahr zurück, so dass es auch 2017 keine Nummer 1 im Starterfeld gab.
So ähnlich könnte der neue RB18 aussehen.

Bezeichnend: Auch der letzte Pilot, der als Zeichen des Erfolges mit der 1 auf dem Auto fuhr, kam von Red Bull: Sebastian Vettel (34), der 2013 seinen vierten und bis dato letzten WM-Titel gewann. Für Verstappen, eigentlich mit der 33 unterwegs, gab es nie ein Zweifel daran, mit der weltmeisterlichen Startnummer zu fahren. „Jeder soll sehen, was ich erreicht habe. Es ist auch eine Frage des Stolzes“, erklärt der Niederländer seine Entscheidung. Einen passenden Champion-Helm mit der 1 im Zentrum hat er der Öffentlichkeit schon präsentiert.
Allein: Wer aufgrund der frühen Fahrzeugpräsentation Rückschlüsse auf die Konkurrenzfähigkeit des neuen Red Bull ziehen will, wird enttäuscht werden. Motorsportchef Helmut Marko (78) stellt klar: „Die Präsentation, die wichtig für Fans und Sponsoren ist, zeigt noch keine besonderen Details am Auto“, sagt der Grazer zu AUTO BILD. Marko weiter: „Das neue Auto wird erst kurz vor dem Testbeginn in Barcelona am 23. Februar fertig. Ab dann wird es weiterentwickelt und erhält nochmal ein Update für das erste Saisonrennen am 20. März in Bahrain.“
Den Grund erklärt Marko mit den radikalen neuen Regeln: „Im vergangenen Jahr sind die Regeln gleichgeblieben. Deshalb beschlossen wir, mit dem Auto für die Saison 2021 sehr früh fertig zu sein. Diese Entscheidung hat sich damals als richtig erwiesen. Jetzt aber ist es genau umgekehrt: Durch die neuen Regeln will jeder so spät wie möglich fertig sein – auch um nicht zu früh alles zu zeigen.“
Trotz der Ungewissheit, die jede extreme Regeländerung mit sich bringt, gibt sich Marko selbstbewusst: „Ich denke, wir sind gut in der Spur und können wieder um den Titel mitfahren. Mercedes sollte wie gewöhnlich unser Hauptkonkurrent sein.“
Red-Bull-Teammanager Jonathan Wheatley sieht allerdings besonders Ferrari als Bedrohung. „Ihr neuer Motor, den sie ja schon Ende vergangener Saison eingesetzt haben, erwies sich als bärenstark. Und mit Charles Leclerc und Carlos Sainz haben sie eine sehr gute Fahrerpaarung, die augenscheinlich auch noch gut harmoniert.“

Von

Ralf Bach