Auf der Strecke kann Mercedes Red Bull aktuell nicht das Wasser reichen. Hinter den Kulissen im Fahrerlager kämpfen die beiden Teams aber genauso verbissen gegeneinander wie im epischen WM-Duell 2021. Das Reizthema: Der Streit um die flexiblen Unterböden in der Formel 1.
Nach Meinung von Mercedes soll Red Bull, genauso wie Ferrari, die erlaubte Flexibilität von zwei Millimetern am Unterboden aktuell klar überschreiten. Spätestens mit dem ersten Rennen nach der Sommerpause im belgischen Spa wird damit aber wohl Schluss sein: Dann tritt eine neue Technische Direktive (Nummer 39) in Kraft, die stärker reglementiert, wie stark ein Auto auf und abspringen darf.
Für 2023 sollen dann sogar gänzlich neue Regeln gelten, offiziell aus Sicherheitsgründen wegen des so genannten Porpoisings, dem Hüpfen der neuen Ground-Effect-Autos. Mercedes-Teamchef Toto Wolff gibt sich bei Sky jedenfalls schon mal zuversichtlich: "Die FIA wird was machen, vielleicht kommt ein Kompromiss dabei raus", sagt der Wiener.
Werden keine Freunde mehr: Toto Wolff und Christian Horner

Genau solche Sätze sind es jedoch, die bei Red Bull für Ärger sorgen. Das Verstappen-Team geht davon aus, dass Mercedes' Drängen auf Änderungen politisch motiviert ist. "Ich denke, es gibt eine Menge Lobbyarbeit, um die Regeln für nächstes Jahr deutlich zu ändern, damit ein bestimmtes Team sein Auto niedriger fahren und von diesem Konzept profitieren kann", poltert Red-Bull-Teamchef Christian Horner in Bezug auf den Konkurrenten.

Red Bulls Marko: "Keine Lex Mercedes"

Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko wird am Rande des Qualifyings zum Frankreich GP in Le Castellet noch deutlicher: "Eine Lex Mercedes wird es sicher nicht geben. Das Ganze ist überhaupt kein Thema, nur ein Team spielt es so hoch", sagt der Österreicher und rät Mercedes im gleichen Atemzug: "Man sollte sich darauf konzentrieren, das Auto wettbewerbsfähig zu machen, statt im Reglement rumzusuchen und Giftpfeile zu verschießen."
Kurios: Wie Wolff vertraut auch Horner in der Sache voll auf die FIA. "Ich denke, der Präsident tut das Richtige. Er sammelt alle Informationen und hoffentlich kann dann eine vernünftige Lösung gefunden werden. Denn für so eine grundlegende Änderung des Reglements ist der Zeitpunkt im Jahr jetzt schon zu spät", sagt Horner, dem wie einigen anderen Teamchefs auch in Bezug auf großflächige Planänderungen zusätzlich der knappe Budgetdeckel Sorgen bereitet.
Mindestens sechs Teams sollen sich deshalb bei FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem klar gegen die neuen Regeln positioniert haben - Mercedes und seine Kundenteams indes dafür. Dabei weisen die Silberpfeile den schwarzen Peter aber von sich: "Wir bei Mercedes wissen ja selbst nicht einmal, ob uns die Regeländerungen überhaupt entgegenkommen würden", kontert Chefingenieur Andrew Shovlin die Vorwürfe.
Klar ist gut eine Woche vor der Sommerpause nur: Dieser Streit wird die Königsklasse noch länger beschäftigen.

Von

Frederik Hackbarth