Formel 1: Ricciardo im Interview über Vettel
Wir kämpfen auf einer fairen Basis

Er ist eine der positiven Überraschungen der Saison 2014: Vor dem Monaco GP spricht Red Bulls Neuzugang Daniel Ricciardo im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT.
Bild: Getty Images
- Ralf Bach
- Bianca Garloff
Herr Ricciardo, sind Sie so gut oder hat Sebastian Vettel, der viermal in Folge Weltmeister wurde und die letzten neun Saisonrennen 2013 am Stück gewonnen hat, über den Winter das Fahren verlernt?
Ricciardo: Nein, überhaupt nicht. Sebastian hat alles andere als das Fahren verlernt. Das Auto, das wir dieses Jahr fahren, ist wegen des neuen Reglements ein völlig anderes als die Wagen, die er bisher gewohnt war. Um sich darauf optimal einzustellen, braucht man viele Kilometer. Er aber hat viel Pech gehabt und kam nicht richtig zum Fahren. Die Saison ist noch viel zu früh, um irgendwelche Rückschlüsse zu schließen. Ich werde meine Leistung jedenfalls erst am Ende der Saison beurteilen.
Aber Sie müssen doch mit dem bisherigen Saisonverlauf mehr als zufrieden sein?
Ich habe bewiesen, dass ich schnell mit diesem Auto fahren kann. Ich genieße es im Moment einfach, ein konkurrenzfähiges Auto zu haben. Ich bin hungriger denn je nach Erfolgen, und man weiß ja, ich kann eine Menge essen (lacht). Ich bin begierlich darauf, mich ständig zu verbessern und Topergebnisse abzuliefern. Es macht mir alles im Moment einfach nur tierischen Spaß.
Aber es muss Sie doch ein wenig stolz machen, mit dem dominierenden Piloten der vergangenen Jahre auf Augenhöhe zu sein...

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Wie gut geht Sebastian Vettel mit der Herausforderung Daniel Ricciardo um?
Er respektiert mich total. Nach dem Rennen in Australien schickte er mir eine Glückwunsch SMS, weil er schon früher von der Strecke fuhr. Auch nach dem Rennen in Bahrain und China, wo es für mich besser lief, gratulierte er mir und sagte: „Gut gemacht!“ Wir reden sehr offen über das Fahrverhalten des Autos und wie wir es gemeinsam besser machen können.
Sie haben auch eine spezielle Begrüßung. Wenn Sie sich das erste Mal am Rennwochenende sehen, klatschen Sie sich mit den Fäusten ab...

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Das hört sich aber nach ziemlicher Harmonie an...
... ist es auch. Er tritt nicht auf wie ein vierfacher Weltmeister, der sagen will, wo es lang geht. Im Gegenteil: Ich glaube, er scheint es sogar zu genießen, dass er jetzt in mir eine neue Herausforderung sieht. Es ist nämlich das erste Mal, dass er älter ist als sein Teamkollege. Klar, er will nicht verlieren, ich will es auch nicht. Aber unser interner Wettbewerb läuft auf einer völlig fairen Basis ab.
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