Das WM-Finale in Abu Dhabi hallt immer noch nach. Weil Rennleiter Michael Masi die Safetycar-Regeln eigenwillig interpretierte, holte Red Bull-Star Max Verstappen den Titel. Seitdem diskutieren vor allem die britischen die Fans über ein angeblich verschobenes Rennen – und den Wert des Titels für den Holländer.
Mehr noch: Lewis Hamilton ging fast zwei Monate auf Tauchstation, Mercedes zündelte mit Gerüchten über seinen möglichen Rücktritt. Das Thema beherrschte den gesamten Formel-1-Winter.
McLaren-Star Daniel Ricciardo springt nun allerdings Champion Verstappen zur Seite, seinem ehemaligen Teamkollegen bei Red Bull. „Max und ich haben uns damals gegenseitig zu Höchstleistungen angetrieben, und es war klar, dass er früher oder später Weltmeister werden würde.“
Jetzt ergreift McLaren-Star Ricciardo Partei.

Aktuell werde Verstappens Erfolg aber nicht stark genug geschätzt. Ricciardo: „Nach dem WM-Ausgang 2021 fand ich es nachvollziehbar, dass viele Fans denken: ‘Lewis kann einem leid tun.’ Aber aufgrund dessen dann zu sagen, sein Rivale sei des Titels nicht würdig, das hat Max nicht verdient. Es konnte nun mal nicht zwei Sieger geben, auch wenn beide Fahrer überragende, titelwürdige Leistungen gezeigt haben.“
Der Australier will aber auch Hamilton nicht unterstellen, die schlechte Stimmung gegen Verstappen angeheizt zu haben. „Ich habe Verständnis für Lewis‘ Reaktion“, erklärt der McLaren-Star. „Es wurde eine Weile sehr ruhig um ihn, er brauchte ganz offensichtlich Zeit, um all das hinter sich zu lassen. Und wer sind wir schon, wenn wir deswegen über ihn ein Urteil fällen?“
Ein Rücktritt hätte indes der gesamten Königsklasse geschadet, meint Ricciardo. „Als Fan der Formel 1, aber auch als Pistenrivale wollte ich natürlich unbedingt, dass er weitermacht. Es wäre nicht gut gewesen, aufgrund einer emotionalen Reaktion zu gehen.“
Gleichzeitig findet er aber die scharfe Kritik an Rennleiter Michael Masi übertrieben. „Zu 99 Prozent wird da gute Arbeit geleistet“, sagt er über die Rennleitung. „Was uns Fahrer angeht, so wollen wir einfach, dass Regeln gleichmäßig und fair angewandt werden. Wenn das nicht so ist, dann erzeugt das Ärger und Frust. Wir Fahrer machen Fehler, das ist menschlich, also ist es nur logisch, dass auch bei der Rennleitung Fehler vorkommen.“
Der McLaren-Star fordert: „Ich unterstütze Michael Masi, aber wir müssen glattbügeln, was in den letzten Jahren nicht richtig gelaufen ist.“

Von

Bianca Garloff