Mick Schumacher zeigt nach der Kritik der letzten Wochen in Montreal eindeutig die geforderte Leistungssteigerung - doch am Ende steht der Deutsche wieder mit leeren Händen da: Ausfall in Runde 19 mit einem Motordefekt am Haas.
Dabei geht es nach Schumachers starkem sechsten Platz im Qualifying zum Kanada GP auch im Rennen gut los. Während Teamkollege Kevin Magnussen einmal mehr zu ungestüm ist, wie schon in Barcelona mit Lewis Hamilton aneinandergerät und wegen eines beschädigten Frontflügels nach hinten zurückfällt, hält sich Schumi Jr. in der Startphase aus allem Ärger raus.
Die schnelleren Esteban Ocon und George Russell muss der 23-Jährige zwar passieren lassen, Schumacher hält sich jedoch wacker und kämpft gerade mit Alfa-Romeo-Pilot Guanyu Zhou um Platz sieben, als sein Haas den Geist aufgibt: "Einer der Elektromotoren ist komplett kaputt, weshalb wir das Auto stoppen mussten. Sehr unglücklich", sagt Schumacher und ärgert sich: "Immer hart, sowas zu akzeptieren, aber noch härter, wenn du in den Punkten liegst und dann aufgeben musst."
Die gute Laune über sein starkes Wochenende will sich Schumacher vom unschönen Ende aber trotzdem nicht verderben lassen. Mehr noch: Der Deutsche stellt sich sogar vor sein Team, von dem er zuletzt so viel Kritik einstecken musste. "Es ist sehr frustrierend, aber diese Dinge passieren in der Formel 1, weil hier alles am Limit ist. Wir müssen die Pille jetzt schlucken, aber es gibt auch viel Positives, das wir von hier mitnehmen können", findet Mick.
Mick Schumacher scheidet mit technischem Defekt am Haas aus.

"Wir hatten bis zum Ausfall eine gute Pace im Rennen, das Auto hat sich großartig angefühlt. Und auch gestern war der Speed schon stark", sagt Schumacher, der daraus schlussfolgert: "In Silverstone spielen wir wieder mit (um Punkte; d. Red.). Ich freue mich jetzt jedenfalls schon aufs nächste Rennen."
Nicht so gut ist die Laune hingegen bei Landsmann und Kumpel Sebastian Vettel: Denn Schumachers Ausfall kostet auch den anderen Deutschen im Feld die Chance auf Punkte. Besonders ärgerlich aus deutscher Sicht: Wegen dem ausgerollten Haas kommt es zu einer von zwei virtuellen Safety-Car-Phasen im Kanada GP - und diese verhageln Vettel die Strategie.
Der Heppenheimer setzt nach Aston Martins schwachem Regen-Quali vom 16. Startplatz aus auf eine alternative Reifentaktik: "Wir haben früh gestoppt, um freie Fahrt zu bekommen", erklärt Vettel. Das wird zum Bumerang als zweimal das virtuelle Safety-Car ausgerufen wird: Erst wegen einem Defekt bei Red Bulls Sergio Perez, dann nochmal nach dem Schumi-Aus.
Vettel ist mit seiner Einstopp-Strategie der Angeschmierte: "Das virtuelle Safety-Car hat uns nicht in die Karten gespielt und mein Rennen zerstört. Denn praktisch alle Fahrer haben dadurch einen Gratisstopp bekommen - selbst diejenigen, die beim ersten Mal noch nicht abgebogen sind."
Für Sebastian Vettel bleibt nur Platz zwölf und der Frust.

Zu den Profiteuren gehört unter anderem Teamkollege Lance Stroll, den Vettel dann auch noch vorbeilassen muss. "Ich war auf sehr alten Reifen, Lance auf frischen. Das Team hat mich dann gefragt, ob ich ihn durchlassen kann, damit er Daniel (Ricciardo; d. Red.) angreifen kann." Immerhin diese Aston-Martin-Strategie geht auf: Stroll überholt den McLaren-Piloten und schnappt sich bei seinem Heimrennen als Zehnter den letzten WM-Punkt.
Für Vettel bleibt nur Platz zwölf und der Frust: "Es war offensichtlich nicht mein Tag. Ich bin natürlich nicht so happy, weil wir heute mehr hätten holen können. Mindestens einen Alpine-Fahrer hätten wir schnappen können, schätze ich", sagt der vierfache Weltmeister nach dem Rennen und hadert auch noch einmal mit dem verpatzten Qualifying: "Dass wir da im Nassen auf keinen grünen Zweig gekommen sind, wiegt jetzt doppelt schwer und ist schon bitter."
Fazit Vettel: "Seit Samstagnachmittag lief nichts in unsere Richtung. Aber so ist das eben manchmal in der Formel 1." Letzteres hatte Leidensgenosse Schumacher ja auch schon festgestellt...

Von

Frederik Hackbarth