Red-Bull-Chefberater Helmut Marko (80) hatte sich eigentlich auf die Formel-1-Sommerpause gefreut. Der gelernte Jurist, der sich selbst Unternehmer nennt, wollte soviel Zeit wie möglich in seinem Wald verbringen und sich um seine zahlreichen Hotels kümmern. Und sich einfach nur über die Ergebnisse seines Red-Bull-Teams bei Saisonhalbzeit freuen.
Die makellose Bilanz: Der niederländische Weltmeister Max Verstappen (25) gewann zehn der zwölf Saisonrennen, die restlichen zwei sein mexikanischer Teamkollege Sergio Perez (33). Verstappen führt mit 125 Punkten Vorsprung vor Perez die Fahrerwertung an. In der Konstrukteurswertung liegt Red Bull mit 503 Zählern unangefochten vor Mercedes (247).
Die Überlegenheit von Markos Eliteschüler Verstappen ist frappierend: Er alleine hat mehr Punkte eingefahren (314) als der Zweite Mercedes mit beiden Piloten.
Helmut Marko feiert mit dem Team nach dem Erfolg in Spa
Bild: Red Bull

Allein: Trotz der Ergebnisidylle und Sommerpause kommt Marko nicht zur Ruhe. Immer wieder muss er zu Spekulationen Stellung nehmen, die Perez betreffen. Das letzte Gerücht kam aus der Heimat Verstappens. Die niederländische Tageszeitung "Telegraaf" behauptete: Es wäre vertraglich festgehalten, dass Red Bull Perez das Gehalt kürzen kann.
Grund hierfür wäre eine Klausel, die besagt, dass Perez Abzüge bekommt, wenn er in der Sommerpause 125 Punkte in der Fahrerwertung hinter seinem Teamkollegen Max Verstappen liegt.
Marko kann darüber nur den Kopf schütteln. "Ich weiß nicht, wo das wieder herkommt," moniert der Grazer bei Auto Bild Motorsport, "es ist völlig aus der Luft gegriffen. Die Verträge sind genau geregelt. Es wird keine Gehaltskürzungen geben".
Marko weiter: "Ich kann es nur immer wieder sagen: Wir führen mit beiden Piloten die Fahrerwertung an und liegen in der Teamwertung klar vorne. Was Perez betrifft: Er war in einer kleinen Krise, hat aber in den letzten beiden Rennen wieder die Kurve bekommen. Verstappen ist im Moment nicht zu schlagen. Weder von Perez, noch von einem anderen Piloten."
Red-Bull-Teamchef Christian Horner mit Pilot Sergio Perez
Bild: Red Bull

Für den Österreicher ist klar: "Max fährt in einer eigenen Liga. Es gibt deshalb keinen Grund, über Maßnahmen, die Perez betreffen, nachzudenken. Ich darf daran erinnern, dass er auch 2024 noch einen Vertrag mit Red Bull Racing hat."
Dennoch bleibt Perez weiterhin Anlass für Spekulationen. Red-Bull-Insider gehen davon aus, dass der Mexikaner auch in der nächsten Saison noch an der Seite von Superstar Verstappen fährt. So sagt Ex-Formel-1-Star Gerhard Berger (63) zu Auto Bild Motorsport: "Red Bull wird den Perez-Vertrag trotz aller Gerüchte von außen respektieren. Da bin ich ganz sicher."
Neutrale Experten dagegen sind davon nicht so überzeugt. Ex-Grand-Prix-Pilot Ralf Schumacher (47) vermutet bei Auto Bild Motorsport stellvertretend: "Ich denke, Perez wird nächstes Jahr ersetzt werden." Den Grund liefert der heutige Sky-Experte gleich nach: "Es stimmt, dass jeder sich an der Seite von Max schwertun würde. Aber es gibt einige Piloten, die genauso gut sind wie Sergio, aber gleichzeitig für mehr Harmonie im Team sorgen würden."
Teamkollegen: Weltmeister Max Verstappen und Sergio Perez
Bild: Red Bull
Hintergrund: Seit dem Qualifying in Monaco 2022 ist das Verhältnis von Verstappen zu seinem Teamkollegen empfindlich gestört. Der Niederländer wirft Perez vor, dieser hätte absichtlich im entscheidenden Trainingssegment einen Unfall und eine dadurch folgende rote Flagge verursacht. Verstappen, dahinter auf Bestzeitkurs, musste abbrechen und stand deshalb in der Startaufstellung hinter dem Mexikaner, der tags darauf prompt das prestigeträchtige Rennen gewinnen konnte.
Fest steht indes nur eins: Bis zum Ende der von Verstappen und Red Bull dominierten Saison wird die Zukunft des Mexikaners weiterhin Anlass für Spekulationen geben.