Die ersten Runden in einem neuen Formel-1-Spiel sind wie die ersten Testkilometer für Vettel, Verstappen und Co. Am Dienstag war es wieder so weit, zum Release von F1 22, dem offiziellen Spiel der diesjährigen Saison. Der neueste Teil der Codemasters-Formel-1-Reihe verspricht viele Neuerungen. Das Spiel im Test.
2022 war für die Formel 1 mit dem Wechsel auf die Groundeffect-Autos ein Umbruch. Die Veränderungen in der Fahrbarkeit, der Steifigkeit, mit der Fahrer und Teams zu kämpfen haben, sind auch in F1 22 zu spüren. Die Anfälligkeiten der Fahrzeuge, die mittels Aerodynamik ihren Abtrieb zu einem großen Teil über den Unterboden generieren, sind gut simuliert.
Aggressives Fahren über die Randsteine mit den 22er Modellen ist sowohl in der echten wie in der virtuellen Welt eine schlechte Idee. Grund: Der Luftfluss unterhalb der Karosserie wird gestört. Das Auto wird unruhig und bricht aus.
Die ersten Runden in einem neuen Formel-1-Spiel sind wie die ersten Testkilometer für Vettel, Verstappen und Co.

Auch die Anpassung der Heizdecken-Regelung wurde im Spiel umgesetzt. Seit 2022 dürfen die Reifen nämlich nur noch bis maximal 70 Grad Celsius (vorher 90 Grad Celsius) vorgewärmt werden. Die kälteren Räder sind in den ersten Kurven eine knackige Herausforderung.   
Einen neuen Anstrich hat auch das Hauptmenü bekommen.
Mit „F1 Life“ können wir nun ein eigenes Hauptquartier gestalten. Für diesen Showroom können verschiedene Items wie Möbel und Kleidungsstücke freigeschaltet werden. Der größte Hingucker im Ambiente sind protzige Supersportwagen, welche die größte Innovation in F1 22 sind.
Denn die PS-starken Straßenfahrzeuge sind nicht nur Dekoration. Den Mercedes AMG GT-R, McLaren 720S oder Ferrari F8 Triturbo kann man auch auf der Strecke bewegen. Mit den Fahrzeugen können wir verschiedene Herausforderungen auf den Formel-1-Strecken absolvieren, diese wie im Spiel Gran Turismo auf einem Gold-, Silber- oder Bronze-Niveau meistern.
Auch wenn die neuen Sportwagen Abwechslung reinbringen, sind sie nicht das, was die Spielerschaft wollte. Nach unserer Umfrage hätten 75 Prozent der User lieber klassische Autos und Strecken der Königsklasse des Motorsports im Game. Immerhin 25 Prozent sehen die Supersportler als „coole Abwechslung“.
Die Umsetzung der neuen Groundeffect-Autos ist den Entwicklern gut gelungen.

Beliebter sind hingegen langersehnte Anpassungen. Die neuen Streckenführungen von Melbourne, Abu Dhabi und Spanien wurden in F1 22 genauso implementiert wie die Sprintrennen. Auch der neue Stadtkurs von Miami ist enthalten und überzeugt als detailgetreuer Nachbau. Generell ist das Spiel wieder ein graphischer Hingucker.
Für ein noch immersiveres Spielerlebnis bietet Codemasters den PC-Spielern jetzt auch erstmals die VR-Funktion an. Mit fünf Virtual-Reality-Brillen ist das Spiel kompatibel. Nicht dabei ist die HP Reverb G2, eine der begehrtesten im Simracing. Wir konnten bei unserem Test das Spiel mit der HP dennoch starten.
Eine Nvidia RTX 3070 Grafikkarte und ein Intel-i710700k-Prozessor waren jedoch nicht ausreichend, um ein scharfes und gleichzeitig flüssiges Bild zu sehen. Zumindest beim Zeitfahren, ohne leistungsbeanspruchende KI-Fahrzeuge, konnten wir das VR-Erlebnis genießen.
Trotz der anfänglichen Probleme schlägt Codemasters mit der VR-Technologie die richtige Richtung ein und hebt das virtuelle Formel-1-Erlebnis auf das nächste Level.

Fazit

von

Alexander Warneke
Die Umsetzung der neuen Groundeffect-Autos ist den Entwicklern gut gelungen. Mit dem Schritt in die VR-Technologie geht Codemasters in die richtige Richtung, muss jedoch in Sachen Kompatibilität noch nachlegen.
Mit „F1 Life“ und den Supersportwagen hat man jedoch die Community-Wünsche klar verfehlt. Historische F1-Autos und beliebte Strecken, wie der Hockenheimring oder Nürburgring hätte das Spiel auf die Ideallinie gebracht. 

Von

Alexander Warneke