Formel 1: Sprit-Posse im Albert Park
Mercedes war gegen Benzinfluss-Regel

Daniel Ricciardos Qualifikation und der Verlust seines zweiten Platzes beim Australien GP sorgt für viel Aufregung. AUTO BILD MOTORSPORT hörte sich in Melbourne um.
Bild: Getty Images
- Bianca Garloff
- Ralf Bach
Niki Lauda war nach dem Mercedes-Sieg beim Großen Preis von Australien leicht verwirrt: „War Andy Cowell da oben? Wenn ja, dann hat er es verdient! Jedenfalls mehr als ich und auch mehr als Toto (Wolff; d. Red.).“ Andy Cowell? Der Brite ist das neue Superhirn bei Mercedes AMG. Er hat die Oberaufsicht über den Bau der Motoren bei Mercedes High Performance Powertrain in Brixworth. Und er durfte gestern zu Nico Rosberg aufs Podest. Doch Andy Cowell spielt auch im Streit um den Benzindurchflussmesser von Daniel Ricciardo eine Rolle. Er und seine Männer wollten diese Regel nämlich gar nicht haben!
Lauda verärgert Techniker

Im Rennen war Nico Rosberg (vorne) im Mercedes klar schneller als Daniel Ricciardo (hinten) im Red Bull.
Unzuverlässige Werte
Der Benzindurchfluss-Paragraph soll verhindern, dass die Teams in der Qualifikation übermäßig viel Sprit in den V6 jagen, um so noch mehr PS zu generieren. Offenbar hatten einige Mannschaften Angst um die Haltbarkeit ihrer Motoren. Mercedes nicht. Die Techniker wurden von der Regel ausgebremst. So wie die Silberpfeile am Samstag sieben Minuten vor der Qualifikation. AUTO BILD MOTORSPORT erfuhr exklusiv am Sonntagmorgen in Melbourne: Weil der sogenannte Fuel Flow Meter im freien Training nicht ganz zuverlässige Ergebnisse lieferte, hatte die FIA die Messfrequenz und damit die Toleranzgrenze erhöht. Teams, die am Freitag über der Toleranz lagen, wurden aufgefordert, weniger Sprit einzuspritzen. Sebastian Vettel war offenbar dabei, aber auch Mercedes...
Red Bull ignorant

Sieger Rosberg und Ricciardo (li.) feiern auf dem Podest - später musste der Zweite seinen Platz wieder hergeben.
Kommentar: Schwachsinniges Regel-Chaos
(von Bianca Garloff)
Die Formel 1 hat gleich im ersten Rennen ihrer neuen Technik-Ära für Regel-Chaos gesorgt. Und das mit einem Paragraphen, der so unnötig ist wie dem Papst die Bibel zu verkaufen. Innerhalb der erlaubten 100 Kilogramm pro Rennen hat Daniel Ricciardo zu viel Benzin verbrannt. Paradoxer kann eine Erklärung kaum sein. Wenn man die Benzineinspritzung im Qualifying wegen gefährlich hoher Leistungsexplosionen begrenzen will, okay. Aber warum muss die Regel so rigoros auch im Rennen durchgeprügelt werden? Ich will Red Bull hier gar nicht verteidigen. Natürlich hätten sie die Aufforderung der FIA nicht einfach ignorieren dürfen. Trotzdem: Mit solchen Regeln und dem Streit darüber macht die Formel 1 sich lächerlich. Daniel Ricciardo hatte keinen Leistungsvorteil und hat seinen wohlverdienten zweiten Platz beim Heimrennen dennoch verloren. Ich würde mir da etwas mehr Augenmaß von den Regelhütern wünschen. Insbesondere dann, wenn die Sensoren der FIA noch nicht mal richtig funktionieren.
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