„Ich habe das Gefühl, dass ich auf der technischen Seite der Formel 1 nicht die Anerkennung bekomme, die ich verdiene. Es ist kein Zufall, dass ich Rennen und Weltmeisterschaften gewonnen habe.“ Lewis Hamilton wehrt sich gegen die vereinfachte Darstellung, er würde sich weniger für die Technik seines Mercedes interessieren als Teamkollege Nico Rosberg.
Hamilton
Lewis Hamilton am Donnerstag in Montreal
Was den Weltmeister so aufgeregt hat: Die Frage eines Journalisten in einer kleinen Presserunde mit deutschen Kollegen, bei der auch AUTO BILD MOTORSPORT anwesend war. „Wenn es 100 Dinge zu lernen gibt, sagte mir einer Eurer Ingenieure“, so der Fragesteller, „dann will Nico alle 100 wissen, Lewis nur die wichtigsten zehn.“
Hamilton verzieht sein Gesicht. „Dem stimme ich nicht zu.“ Dann klärt er auf.
Der Dreifach-Champion verrät: „Es gibt Personen wie Nico, die lange im Ingenieursraum sitzen und jeder kann sie sehen - was auch immer sie da tun. Ich kenne die 100 Details auch, ich studiere sie auch - aber ich setze in meinem Kopf Prioritäten. Und ich habe auch nicht das Bedürfnis, dass jeder sehen muss, wie ich alle Details studiere. Ich lasse meine Resultate sprechen.“

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In der Tat: Bei seinem letzten Sieg in Monaco zeichnete sich Hamilton durch reifenschonende Fahrweise aus. „Auch da könnte ich eine Vielzahl von Daten studieren“, so der Brite. „Wenn du aber zu viel Informationen hast, verlierst du dich leicht. Natürlich spreche ich mit meinem Ingenieur über gewisse Daten. Aber vieles ist Instinkt. Du kannst einen Slide nicht vorhersehen - und auch nicht, in welchem Zustand der Reifen danach ist. Also musst Du mit Deinem Hinterteil spüren, was die Reifen machen. Diese Fähigkeit versuche ich bereits seit der Formel 3 zu perfektionieren.“
Rosberg
Nico Rosberg gilt als Liebling der Ingenieure
Hamiltons Plädoyer zum Abschluss: „Juan Manuel Fangio, Michael Schumacher, Ayrton Senna, die Großen des Rennsports, sie haben die Wissenschaft der Formel 1 verstanden, sie alle hatten aber auch diesen ganz besonderen Instinkt, den man als Champion braucht. Ingenieure nutzen für gewöhnlich nicht ihren Instinkt, sie nutzen Zahlen. Deshalb muss ich als Fahrer meinen Instinkt dazu beisteuern - und dazu gehört auch, Prioritäten bei den Zahlen zu setzen.“
Darüber, dass Nico Rosberg ihn in Monaco vorbeigelassen hat und damit erst seinen Sieg möglich machte, denkt Hamilton indes nicht nach. „Kein Fahrer schaut zurück auf einen Sieg und denkt daran, wie groß der Anteil eines anderen Piloten daran war“, sagt er. Ob er Rosberg in einer ähnlichen Situation auch hätte passieren lassen? Hamilton: „Das ist unsere Regel. Nico konnte das Rennen nicht gewinnen, weil er mehr als zwei Sekunden pro Runde langsamer war als ich.“ Allein: Die Frage hat Hamilton damit nicht wirklich beantwortet. Wahrscheinlich aus Instinkt...