Insgesamt 7797 Kilometer haben 15 Fahrer an drei Tagen im spanischen Valencia absolviert. Doch ein Team schwebte wie ein Schatten über dem ersten Test des Jahres 2010: Red Bull. Weil das beste Auto der vergangenen Saison bei den ersten Probefahrten fehlte, weiß keine Mannschaft wirklich, wo sie steht. Mercedes-Teamchef Ross Brawn formulierte es so: "Gibt es etwas, von dem wir nichts wissen? Wer weiß? Wir haben ja noch nicht alle Autos gesehen. Der Red Bull wird erst in der kommenden Woche vorgestellt und Adrian (Newey, d. Red.) denkt für gewöhnlich immer um die Ecke, wenn er etwas anpackt. Wir müssen abwarten."

Überblick: Alle News und Tests zur Marke Mercedes

F1-Test in Valencia, Tag 3
Bild: xpb.cc
Solange macht Brawns Top-Pilot Michael Schumacher ausgerechnet sein Ex-Team als Favoriten aus. "Ferrari scheint stark zu sein", anaylsiert Schumacher. Tatsächlich absolvierten die Italiener mit 1414 Testkilometern nicht nur die meisten Runden, an jedem der drei Testtage lag außerdem ein Ferrari in Front. Die Bestzeit setzte ausgerechnet Neuzugang Fernando Alonso vor seinem Heimpublikum in Spanien. Rund zwei Zehntelsekunden war der Spanier am letzten Testtag schneller als sein brasilianischer Teamkollege Felipe Massa an den zwei Tagen zuvor. Und: Ferrari blieb als einziges Team unter der Marke von 1.12 Minuten. Doch Alonso tritt auf die Euphoriebremse: "Wenn wir vorne lagen, dann vielleicht wegen der Benzinmengen, vielleicht waren wir aber auch tatsächlich konkurrenzfähig. Der erste Eindruck ist immer gut. Das dachte ich im Vorjahr mit dem Renault aber auch, und dann kamen wir oft nicht ins dritte Qualifying. Daher bin ich vorsichtig." Ein Formel-1-Insider vermutet: "Es sah nicht so aus, als wäre Ferrari mit vollen Tanks gefahren. Könnte gut sein, dass das Vorstandszeiten waren." AUTO BILD MOTORSPORT beobachtete dennoch: Der F10 liegt gut in schnellen und langsamen Kurven. Der Reifenverschleiß ist gering.

Mercedes GP findet sich im Mittelfeld wieder

F1-Test in Valencia
Bild: xpb.cc
Ganz im Gegensatz zu Ferrari stapelt Mercedes tief. Nach 1121 Testkilometern belegten Michael Schumacher und Nico Rosberg mit mehr als einer Sekunde Rückstand nur die Plätze sieben und neun. Schumacher gab sich nach einem Hydraulikschaden am Mittwoch skeptisch: "Ich gehe davon aus, dass wir nicht unbedingt gleich die ersten Rennen gewinnen können und es ist möglich, dass wir ein bisschen Zeit dafür brauchen." Der Rekordweltmeister mahnte sogar, Mercedes sei noch "leicht im Hintertreffen". Dagegen spricht: Am Dienstag, als Nico Rosberg mit vollem Tank unterwegs war, fuhr der Mercedes GP W01 wie auf Schienen. Ross Brawn bestätigt: "Mit vollen Tanks sahen wir nicht schlecht aus, aber wir sind ein bisschen von der Pace weg. Das Handling ist nicht ideal, aber das kriegen wir bis zum nächsten Test hin." Gut fürs teaminterne Duell: Trotz schwerem Auto und schlechterer Sitzposition war Nico Rosberg nur vier Zehntelsekunden langsamer als sein neuer Teamkollege Michael Schumacher.

Weltmeister hinter Teamkollege

Das dritte Top-Team, McLaren-Mercedes, ist schwerer einzuschätzen. Aus Mercedes-Kreisen, immerhin noch Motorenlieferant, ist zu hören: Der neue MP4-25 ist nach 1105 Kilometern noch kein Siegerauto. Weltmeister Jenson Button hatte auf Platz zehn rund 1,5 Sekunden Rückstand auf Alonso. Ex-Champion Lewis Hamilton lag auf Gesamtrang fünf zwar nur acht Zehntelsekunden zurück. Doch nach ABMS-Informationen fuhr er im Gegensatz zu seinem britischen Weltmeister-Teamkollegen mit wenig Sprit. Hamiltons Fazit: "Ich stieg ins Auto und es fühlte sich auf Anhieb gut an. Ich hatte ein Lächeln im Gesicht, als ich ausstieg und ich habe ein viel besseres Gefühl als mit dem alten Auto. Es gibt aber noch viele Bereiche, die wir verbessern können."

Hülkenberg und de la Rosa kommen sich nahe

F1-Test in Valencia, Tag 3
Bild: xpb.cc
Überraschend belegte BMW-Sauber mit Pedro de la Rosa und Kamui Kobayashi an allen drei Testtagen den zweiten Platz. Doch Experten munkeln: Sauber fuhr mit extrem wenig Benzin, um mit guten Testzeiten weitere Sponsoren anzulocken. Als dritter Deutscher belegte Nico Hülkenberg im Williams-Cosworth FW32 nach einem Unfall mit Sauber-Pilot Pedro de la Rosa am Mittwoch den 13. Rang. Hülkenberg: "Mein erster Eindruck ist positiv. Wir absolvierten viele Longruns, jeweils mit viel Benzin an Bord. Das gab uns eine gute Basis, aber wir müssen weiter hart arbeiten." Auffallend positiv: Nur zwei technische Defekte (Hydraulikschaden bei Schumacher, Getriebedefekt bei Buemi) haben die Tests bisher unterbochen.

Dann testen die anderen deutschen Formel-1-Piloten

Präsentation Virgin F1
Bild: Hersteller
Timo Glock und Adrian Sutil fahren ihre neuen Autos erstmals heute (Donnerstag, 4. Februar) in Silverstone. Auch Nick Heidfeld tritt seinen Dienst an. Der angehende Mercedes-GP-Testpilot ist heute zur Sitzanpassung im Formel-1-Werk in Brackley (GB). Erst beim nächsten Test vom 10. bis 12. Februar in Jerez greift auch Vizeweltmeister Sebastian Vettel wieder ins Lenkrad. Trotz verpasster erster Testwoche ist sein Chef Christian Horner zuversichtlich: "Wir sind das einzige Top-Team, bei dem Fahrer und Techniker gleich geblieben sind", betont Vettels Chef gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT. "Deshalb haben wir zumindest solange, bis sich alle anderen Mannschaften eingespielt haben, einen Vorteil bei der Weiterentwicklung des Autos." Einziger Nachteil: der im Vergleich zum Mercedes zwar verbrauchsgünstigere aber auch schwächere Renault-Motor. Deshalb fordert Horner Schützenhilfe vom Automobilweltverband FIA: "Wir brauchen eine faire und gerechte Basis. Gerade weil die Motorenentwicklung eingefroren ist, sollten die Triebwerke bezüglich ihrer Leistung nicht mehr als zwei Prozent auseinander liegen." Vettels Teamchef droht sogar: "Die FIA hat alle Daten vorliegen, um sich für eine Angleichung der Motoren zu entscheiden. Es wäre ein Desaster am Ende des Jahres einen weiteren Motorenhersteller zu verlieren, weil er nicht gegen die anderen Hersteller bestehen kann." Hintergrund von Horners Sorgen : "Die Regeln für die Entwicklung des Chassis sind so streng, dass der Motor eine immer wichtigere Rolle spielt."