Formel 1: Ukrainer Bondarev im Williams-Kader
Wird er der erste Ukrainer in der Formel 1?

Noch nie ist ein Ukrainer Formel 1 gefahren. Das britische Traditionsteam Williams will das jetzt ändern. Oleksandr Bondarev ist neu im Kader.
Bild: Williams
- Michael Zeitler
- Bianca Garloff
Hinter vermeintlich langweiligen Meldungen stecken oftmals die spektakulärsten Geschichten. So wie hinter der Mitteilung, dass das Traditionsteam Williams einen neuen Fahrer in seinen Juniorkader aufgenommen hat. So weit, so normal. Aber bei genauerem Hinsehen entpuppt sich diese Nachricht als historisch.
Aber zunächst zu den Rahmenbedingungen: Die zehn Formel-1-Teams fördern insgesamt 51 junge Fahrer. Allein im Red-Bull-Kader werden 13 Nachwuchspiloten auf eine Karriere in der Königsklasse vorbereitet.
Oleksandr Bondarev (14) gehört jetzt auch zum elitären Club der vielversprechendsten Nachwuchsrennfahrer, wird vom Traditionsteam Williams (114 Siege, sieben Fahrer- und neun Konstrukteurstitel) unterstützt – mit Geld, mit Simulatortests, mit exklusiven Einblicken ins Formel-1-Team.
Spektakulär daran ist seine Herkunft. Geboren ist Bondarev in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Seit eineinhalb Jahren befindet sich das Land im Krieg. Hunderttausende sind gestorben, Millionen geflüchtet. Sporthelden stärken oft den Zusammenhalt der Bevölkerung. Und genau das will Bondarev nun für sein Land leisten – mit erst 14 Jahren.

Oleksandr Bondarev ist neu im Williams-Kader.
Bild: Williams
Denn 39 Nationen haben in der Geschichte schon einen Formel-1-Fahrer gestellt. Die Ukraine gehört bislang nicht dazu. In Zeiten des Kalten Kriegs hatte die Sowjetunion zwar ihre eigene Formel-1-Meisterschaft mit eigenen Formel-1-Autos, aber meist abgeschottet vom Westen. Als die Serie in der Formel Easter aufging, war die Rennstrecke bei Chayka nahe Kiew ein Austragungsort. Auch ukrainische Rennfahrer waren am Start, aber keiner hat den Durchbruch geschafft. Auch weil die Versuche der russischen Hersteller Khadi, Madi und Moskvich, in der Formel 1 zu landen, nie realisiert werden konnten – trotz intensiver Bemühungen.
Bondarev ist der erste Ukrainer, der es in die Formel 1 schaffen kann. Sein Durchhaltevermögen hat er längst bewiesen: Im Vorjahr zog er sich bei einem Kartunfall einen komplizierten Beinbruch zu. Die Folge: zehn Operationen in zwei Monaten. „Am schlimmsten waren die Wochenenden“, erinnert sich der Teenager. „Da musste ich die Rennen anschauen, ohne um den Sieg kämpfen zu können.“
Das Comeback – phänomenal. In diesem Jahr sicherte er sich den Titel in der Kart-Europameisterschaft. Zu seinen Vorgängern gehören unter anderem Sebastian Vettel, Max Verstappen und Lando Norris. Wer diesen Titel holte, hat es später meistens weit gebracht.
Bondarev hat dabei gleich mehrere Rückschläge verkraften müssen – den Krieg, die Verletzung, das Minibudget. Oft bestand sein Team nur aus ihm, Vater, Mutter – und dem Opa, der mit ihm die Telemetriedaten durchgegangen ist. Trotzdem hat er es geschafft, sich gegen Fahrer aus professionellen Kartteams durchzusetzen.
Bondarev hat dabei gleich mehrere Rückschläge verkraften müssen – den Krieg, die Verletzung, das Minibudget. Oft bestand sein Team nur aus ihm, Vater, Mutter – und dem Opa, der mit ihm die Telemetriedaten durchgegangen ist. Trotzdem hat er es geschafft, sich gegen Fahrer aus professionellen Kartteams durchzusetzen.
Keiner aus Bondarevs Familie war je im Rennsport. Die Begeisterung fürs Racing hat der Animationsfilm Cars geweckt. „Seit ich fünf Jahre alt bin, träume ich von der Formel 1. Dank Williams bin ich jetzt einen großen Schritt weiter“, sagt Bondarev. Mit sieben wurde er der jüngste ukrainische Kartmeister aller Zeiten.
2024 will er seine ersten Autorennen bestreiten. Sobald er am 27. April 15 Jahre alt wird, darf er Formel 4 fahren. Einen Vertrag mit dem Topteam Prema hat er schon. Aber das soll erst der Anfang sein.
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