Formel 1: Vettel fährt lieber Oldtimer
Alte Autos als Trost

Mit seinem akutellen Auto läuft es für Sebastian Vettel derzeit überhaupt nicht - für die Freude am Fahrern flüchtete er nun in eine alte Rennkarosse.
Bild: Red Bull
Immerhin etwas Positives konnte Sebastian Vettel vom verkorksten Heim-Wochenende Red Bulls beim Großen Preis von Österreich doch noch mitnehmen: Am Samstag durfte der Deutsche Oldtimer fahren! Eigentlich sollten nur die österreichischen Legenden Lauda, Marko und Co. mit ein paar Runden für ihre Demo-Fahrt vor dem Start der Formel 1 üben. Doch plötzlich tauchte auch der Vierfach-Weltmeister in der Fanzone vor Kurve eins am Red Bull-Ring auf. Sein Ziel: Helmut Markos BRM von 1971. Vettel strahlte, als er seinen Motorsportchef im alten Overall und das Auto mit Gitterrohrrahmen sah. „Bevor ich fahre, lasse ich erst mal den Jungstar Platz nehmen“, grinste Marko.

Vettel zwängt sich in den alten BRM
Auch beim Großen Preis von Österreich verlor Vettel gleich nach dem Start plötzlich den Vortrieb. Der Überholknopf hatte einen Elektronik-Defekt ausgelöst. Der Heppenheimer rollte eine Runde lang vor sich hin. Dann setzte ein Elektronik-Reset das System wieder in Gang. Da war das Rennen längst verloren. Später gab Vettel wegen des großen Rückstands auf, um seinen Motor für die kommenden GP zu schonen. Teamchef Christian Horner fasst sich an den Kopf: „Sebastian zieht das Pech magisch an! Aber irgendwann muss diese Strähne mal zu Ende gehen.“ Drei Ausfälle hat der Weltmeister in dieser Saison nun schon zu verzeichnen. Vettel zynisch: „Langsam gewöhne ich mich an so was. Vielleicht bleibe ich deshalb ruhiger.“

Der Oldtimer lief tatsächlich besser als der RB10
Diese spezielle Art zu Fahren erklärt Vettels Teamchef Christian Horner für AUTO BILD MOTORSPORT beim gemeinsamen Abendessen. Der Red-Bull-Teamchef legt sein iPhone auf den Tisch im Motorhome und dreht das Hinterteil leicht nach außen. „So bremst Sebastian eine Kurve an“, beschreibt er. „Er driftet um die Ecke und spielt mit dem Gas, fast wie ein Motorradrennfahrer.“ Dann zieht er sein Handy wieder zurück und schiebt es erneut in Richtung der virtuellen Kurve, diesmal aber geradeaus. „So verzögert Daniel, ganz gerade, ohne das Auto anzustellen.“

Red Bulls Helmut Marko (li.) mit Vettel
Doch auch Vettel darf gelobt werden. „Ich finde es großartig“, so sein Teamchef, „wie Sebastian mit der Niederlage umgeht. Wie sehr er sich in Kanada mit und für Daniel gefreut hat, zeigt, dass er erwachsen geworden ist. So etwas zeichnet einen ganz großen Champion aus.“ Die Bodenständigkeit hat sich Vettel trotz seiner vier Weltmeisterschaften in der Tat bewahrt. Nach ein paar Runden ließ er bei seiner Ausfahrt doch noch Helmut Marko ans Steuer. Als der Red Bull-Doktor nicht mehr aus dem engen Cockpit kommt, spielt Vettel Mechaniker. Er hilft beim Abschrauben der Karosserie und befreit seinen Chef aus dem Monoposto. Marko weiß wenig später: „Das hat ihm heute gut getan.“
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