Formel 1: Vettel im Interview
„Ich will Ferrari nach vorne bringen“

Ferrari-Star Sebastian Vettel spricht im Interview über den Mythos der Scuderia, die Aufholjagd auf Mercedes und seine Ziele in der Formel 1 für die Zukunft.
Bild: Picture-Alliance
Herr Vettel, unser Fazit nach den ersten Rennen lautet: Der Ferrari ist nicht so schnell wie der Mercedes. Dazu kommen Zuverlässigkeitsprobleme. Ihr Antwort auf unsere These?
Sebastian Vettel: Ja, wir müssen uns steigern! Es gibt noch Entwicklungen, die kommen werden. Und: Was uns in den ersten vier Rennen passiert ist, kann auch andere mal treffen.
Ihr Präsident Sergio Marchionne hat den WM-Titel als Ziel ausgegeben...
... wir wollen das ja auch.
Man könnte aber fast den Eindruck haben, dass Ihre drei Siege 2015 zu früh gekommen sind, weil dadurch die Erwartungen zu groß wurden.

Sebastian Vettel fährt 2016 im zweiten Jahr für Ferrari
Sie sagen, Sie müssen hohes Risiko gehen, um Mercedes zu attackieren. Sind die Fehler deshalb auch verzeihlich?
Nein, verzeihlich sind sie nicht. Die technischen Pannen standen nicht auf unserem Zettel. Aber Aufholen ist immer eine Gratwanderung. Vielleicht sind gewisse Weiterentwicklungen etwas zu früh gekommen, aber man will den Vorteil von Speed, den sie bringen, halt so schnell wie möglich auf der Strecke haben.
Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass Mercedes uns, salopp gesagt, alle ein wenig verarscht. Sie reden Ferrari ständig stark.
Nein, denn sie machen auch Fehler, wenn jemand in ihrer Nähe ist. Hätten sie noch so viel Luft, würden sie anders reagieren.
Hilft Ihnen derzeit die Erinnerung an Michael Schumacher? Er hatte in den ersten drei Jahren seiner Zeit ja auch immer das Mensch-gegen-Maschine Syndrom, kämpfte gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner, damals McLaren-Mercedes.

Vettel hat den Plan in der Hand. Kann er ihn umsetzen?
Als Sie ihren Motorplatzer in der Aufwärmrunde in Bahrain hatten, mussten viele Schumacher-Fans an den GP von Frankreich 1996 denken: Denn da ist ihm genau das Gleiche passiert.
Ah ja? Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Wenn danach der gleiche Erfolg bei uns rausspringt, können wir doch zufrieden sein.
Wie füllen Sie Ihre Rolle als Führungspersönlichkeit aus? Einige im Team werden bestimmt nervös, wenn Dinge schief laufen.
Man darf sich weder von positiven noch von negativen Ereignissen zu sehr beeinflussen lassen. Man ist immer gut beraten, ruhig weiter zu arbeiten und seinen Plan zu verfolgen. Und immer genau zu analysieren, wo man aufrüsten muss. Es ist normal, dass es nicht leicht ist, aus einem Loch zu kommen, das durch jahrelange Misserfolge entstanden ist. Da ist Geduld gefragt. Und Geduld zu haben ist genau das, was in der Formel 1 jedem schwer fällt. Deshalb ist es extrem wichtig, dass man als Team funktioniert.
Wie oft sind Sie in der Fabrik in Maranello?

Vier Titel hat Vettel geholt - allerdings noch im Red Bull
Waren Sie bei Red Bull weniger ins Gesamt-Entwicklungsprogramm eingebunden?
Jedes Team ist anders aufgestellt und begeht andere Wege, bis es am Sonntag zum Rennen kommt. Bei mir könnte es aber auch daran liegen, dass ich jetzt älter und erfahrener bin und deshalb versuche, mich noch mehr einzubringen.
Schumacher brauchte fünf Jahre für den ersten Ferrari-Titel. Wie viel Zeit geben Sie sich?

Die Lücke von Ferrari zu Mercedes ist noch groß
Wird Ferrari Ihr letztes Team in der Formel 1 sein?
So weit denke ich nicht. Ferrari bedeutet für mich jedenfalls mehr als ein bloßes Rennteam. Es ist der Mythos. Für Ferrari arbeitet man nicht, man darf für sie arbeiten.
Aber sollte der Mercedes auch in den nächsten Jahren unschlagbar sein: Müssten Sie als professioneller Rennfahrer, der weiter das Ziel hat Titel zu sammeln, nicht doch versuchen, im Silberpfeil zu landen?
Noch mal: Mein Ziel ist, nicht nur vorne zu fahren, sondern mit Ferrari vorne zu fahren. Wenn ich das Handtuch schmeiße, müsste ich erst mal mir selbst gegenüber zugeben: Du hast es nicht geschafft! Ob es uns gelingt, weiß niemand. Aber der Weg ist das Ziel!
Das Interview stamm aus der SPORT BILD Nummer 20.
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