Formel 1: Vettel jagt Mercedes in China
Ferrari muss zu viel Risiko gehen

Nur Platz vier im Qualifying zum China GP für Sebastian Vettel: ABMS erklärt die technischen Hintergründe, die der Scuderia im Moment zu schaffen machen.
Bild: Picture-Alliance / Paolo Filisetti
- Bianca Garloff
- Ralf Bach
Auch der Samstag beim Großen Preis von China war für Ferrari ernüchternd. Mercedes spielt mit der Scuderia. In den freien Trainings lässt das Weltmeisterteam die Vettel-Mannschaft näher kommen - und macht den Italienern und den Fans so Hoffnung. Ab dem Qualifying drehen die Mannen um Nico Rosberg am Power-Rad und wieder ist der Mercedes eine halbe Sekunde schneller.

Im Training Samstagvormittag war Vettel noch vorne
Aber Vettel stellte auch fest: „Es war abzusehen, dass Mercedes am Ende noch einen draufpackt - so deutlich haben wir das allerdings nicht erwartet.“ Rosberg hatte auf Pole eine halbe Sekunde Vorsprung. Und: Während die Ferrari-Piloten auf den superweichen Reifen losfahren müssen, startet Rosberg morgen mit den weichen Gummis. Das bedeutet: Ein Stopp weniger ist für den Deutschen durchaus möglich.
Vettels einzige Hoffnung: „Das Rennen morgen ist lang und ich konnte noch einen Reifensatz sparen. Ich hoffe jetzt auf einen Start ähnlich wie in Australien.“
Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene hat indes schon gestern resignierend zu Protokoll gegeben: „Mercedes ist das stärkste Team, das ich in den vergangenen zehn Jahren gesehen habe.“

Zu Mercedes fehlt Vettel und Ferrari noch ein Stück
AUTO BILD MOTORSPORT analysiert den Grund, warum der Ferrari-Antrieb so fragil ist.
Wie von uns bereits im Vorjahr berichtet, hat Mercedes mit dem neuen Motor ein innovatives, spritsparendes Brennverfahren entwickelt, das nun auch von Ferrari eingesetzt wird. Der Trick: eine Doppeleinspritzstrategie in Verbindung mit einer Vorkammerzündung.
Dabei wird so mageres Benzin in den Brennraum gespritzt, dass das Gemisch mit einem normalen Zündfunken nicht brennen würde. Deshalb wird die Vorkammer anschließend ebenfalls mit einer extrem geringen Menge Benzin angereichert, das durch eine Zündkerze innerhalb der Vorkammer entzündet wird.
Folge: Die heißen Gassträhnen entflammen das magere Gemisch im Rest des Zylinders. Insbesondere im Teillastbereich kann Mercedes so Benzin sparen, das sie in Vollgaspassagen für mehr Leistung nutzen können. Konsequenz: mehr Leistung bei gleichbleibendem Verbrauch. Die Effizienz steigt - laut Mercedes-Motorchef Andy Cowell auf derzeit 45 Prozent. Zum Vergleich: Die Saugmotoren lagen unter 30 Prozent.
Das Problem: Druck und Temperatur im Zylinder sind weitaus höher als normal; die Kräfte, die auf Kolben, Ventile und Brennkammer wirken, ebenso. Und: Der Prozess der Vorkammerzündung verlangt eine extrem präzise Steuerung der Ventile durch eine komplizierte Elektroniksoftware.

Im Fokus: Diese Technik macht Ferrari Probleme
Fakt ist: Während Mercedes das System in etlichen Longruns nicht erst im diesjährigen Wintertest zur Perfektion gebracht hat, muss Ferrari immer noch hohes Risiko gehen, um die Silberpfeile einzuholen.
Doch die Scuderia gibt nicht auf: „Ich habe den Jungs angesehen, dass sie kämpfen wollen“, sagt Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. „Je mehr Probleme wir haben, desto mehr wollen wir auch kämpfen. Das ist der Geist unseres Teams.“
Der Antriebsschaden von Lewis Hamilton im Qualifying von China könnte Ferrari ja Mut machen. Allein: Dabei handelte es sich um ein kleineres Problem am Wärmegenerator. Etwas, das leichter in den Griff zu kriegen ist als das hochkomplizierte Einspritzsystem inklusive Vorkammerzündung.
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